CDU-Kanzlerkandidatur - "Diese Wahl wird schwierig" Bundeskanzlerin Angela Merkel erwartet im nächsten Wahlkampf Anfechtungen von rechts und links. Ein Ausschnitt aus ihrer Pressekonferenz © Foto: Markus Schreiber/AP Photo/dpa

Lange hat sie gezögert, obwohl sie von allen Seiten bedrängt wurde. Die Spannung wuchs: Würde Angela Merkel etwa nicht noch einmal als Kanzlerin antreten, weil ihr die Unterstützung der CSU fehlt, aber auch Rückhalt in ihrer eigenen Partei und in der Bevölkerung? Oder ist sie der endlosen Krisen wie der Streitereien mit Horst Seehofer müde und denkt, zwölf Jahren sind genug?

Schließlich hat sich eine Menge geändert seit der Bundestagswahl 2013. Seit Merkels Entscheidung im September 2015, die Flüchtlinge aus Ungarn ins Land zu lassen, steht die Kanzlerin nicht mehr unangefochten da. Ihre Popularitätswerte sind gesunken wie die Umfragewerte der Union. Und die durch ihre Flüchtlingspolitik erstarkte AfD macht der Union von rechts kräftig Konkurrenz.

Auch die internationale Lage ist alles andere als verlockend, noch vier Jahre als Kanzlerin dranzuhängen: der Brexit-Schock, der die Krise der EU noch verschärft hat, der Ukraine-Konflikt, die Spannungen mit Putin, der Syrienkrieg, die Terrorgefahr. Und jetzt auch noch Donald Trump, der gewaltige Unsicherheit in die Weltpolitik bringt, was schon zu dem Ruf führte, nun müsse Merkel den freien Westen führen. Ziemlich viel, selbst für eine krisengestählte Kanzlerin.

Aber Merkel ist keine, die vor großen Herausforderungen davonläuft. So verkündete sie am Sonntag: Sie will sich bei der Bundestagswahl im kommenden September um eine vierte Amtszeit bewerben.

Berlin - Gemischte Reaktionen auf Merkels Kandidatur Angela Merkel hat im CDU-Präsidium angekündigt, erneut als Kanzlerkandidatin anzutreten. Auf den Straßen Berlins waren die Reaktionen zunächst geteilt.

Bei vielen Politikern im Ausland, besonders in der EU, dürfte die Erleichterung genauso groß sein wie in der CDU. Wenn nach den Brexit-Turbulenzen und dem Trump-Schock jetzt auch noch Merkel als Anführerin Europas und erprobte Krisenlenkerin ausfiele, wäre die Lücke groß. Schließlich ist sie die am längsten amtierende Regierungschefin Europas, sie hat die meisten Erfahrungen. Gerade erst hat Barack Obama sie beim Abschiedsbesuch als "herausragende, verlässliche, berechenbare Partnerin" gelobt. Merkel spielt in der internationalen Politik eine vordere Rolle, und vielleicht hat gerade das sie motiviert, angesichts der Weltlage weiterzumachen.

Ihr Entschluss hat daneben auch ganz einfache Gründe: Es gibt im Moment in ihrer Partei niemand, der oder die sie ersetzen könnte. Der einzige, der infrage käme, Wolfgang Schäuble, ist mit 74 Jahren zu alt. Er könnte allenfalls ein Übergangskanzler sein. Ursula von der Leyen, die den Ehrgeiz dazu hätte, fehlt ausreichender Rückhalt in der CDU. Und Thomas de Maizière ist zwar ein guter Politikmanager, aber kein Gestalter in der ersten Reihe.

So scheint Merkel international wie im Inland unersetzbar. Aber ist sie wirklich alternativlos?

Nicht nur diejenigen, die mit der Politik in Deutschland generell unzufrieden sind und schon lange "Merkel muss weg" rufen, werden das anders sehen. Auch jenseits der Politik-Verächter von AfD und Pegida kann man die Frage stellen, ob Merkel mit ihrer Art der Politik, diesem nüchternen, rationalen Abarbeiten von Problemen, ohne Visionen oder wenigstens einer programmatischen Erklärung, nicht an ein Ende gekommen ist. Hillary Clinton hat im US-Wahlkampf wie sie agiert. Sie hat nur mit scheinbar unwiderlegbaren Fakten argumentiert, ihre Botschaft lautete im Grunde wie die von Merkel 2013: "Ihr kennt mich". Es hat nicht gereicht gegen einen rechten Emotionsbolzen.