Die SPD will laut Parteivize Ralf Stegner trotz der erklärten Kanzlerkandidatur von Angela Merkel (CDU) bei der sogenannten K-Frage nichts überstürzen. "Was wir tun, und wann wir es tun, beraten wir in der Führung", sagte Stegner. Am Montag sollen Präsidium und Parteivorstand der Sozialdemokraten zusammenkommen. Eine Entscheidung über die SPD-Kanzlerkandidatur soll dabei aber noch nicht fallen, heißt es in Parteikreisen.

Stegner hob hervor, dass die SPD trotz derzeit mäßiger Umfragen selbstbewusst in den Bundestagswahlkampf ziehen könne. "Wir unterschätzen sie nicht. Aber ihr Mythos der Unbesiegbarkeit ist weg", sagte Stegner mit Blick auf die Kanzlerin.

CDU-Vize Thomas Strobl nutzte die Gelegenheit, um den möglichen SPD-Kanzlerkandidaten Sigmar Gabriel und Martin Schulz die Befähigung abzusprechen. "Angela Merkel hat die Statur, die Erfahrung und das Können, Deutschland in so schwierigen Zeiten zu führen", sagte Strobl den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Das fehle dem "sprunghaften Sigmar Gabriel und dem wankelmütigen Martin Schulz, der selbst noch gar nicht weiß, ob er seine Zukunft in Europa oder als Kanzlerkandidat sieht".

CDU-Kanzlerkandidatur - "Diese Wahl wird schwierig" Bundeskanzlerin Angela Merkel erwartet im nächsten Wahlkampf Anfechtungen von rechts und links. Ein Ausschnitt aus ihrer Pressekonferenz © Foto: Markus Schreiber/AP Photo/dpa

In der CSU wurde Merkels Schritt begrüßt. Die Kanzlerin regiere Deutschland gut und setze sich unermüdlich für die Menschen ein, sagte Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt den Funke-Zeitungen. Nach der Wahl dürfe es nicht zu einer rot-rot-grünen Koalition in Berlin kommen. "Deshalb brauchen wir eine starke Union mit der Bundeskanzlerin an der Spitze."

Die Grünen kündigten an, im Wahlkampf für einen echten Wandel streiten zu wollen. "Wir werden 2017 dafür kämpfen, dass die Merkelsche Kaputtsparpolitik in Europa, ihre verhängnisvolle Mutlosigkeit beim Klimaschutz und die wachsende Ungleichheit beendet werden und ein echter Politikwechsel eingeleitet wird", sagte Parteichefin Simone Peter. Für die grüne Fraktionsvorsitzende im Europäischen Parlament, Rebecca Harms, ist eine schwarz-grüne Koalition eine vorstellbare Option. "Merkel hat ihre Partei mehr als jeder vor ihr in die Mitte geführt und hat die CDU modernisiert", sagte Harms der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Freude bei der AfD

Die Linken teilten mit, sich im Wahlkampf als einzig konsequente Alternative zu Merkel empfehlen zu wollen. "Die Linke ist die einzige demokratische Partei, die der dunklen Seite der Macht nicht verfallen ist und Merkels und Seehofers Herrschaft nicht verlängern wird", sagte Parteichef Bernd Riexinger.

CDU-Kanzlerkandidatur - "Linke werden alles tun, um eine vierte Amtszeit von Merkel zu verhindern" Dietmar Bartsch, der Fraktionschef der Linken, kritisierte außerdem Horst Seehofers Unterstützung für Merkels erneute Kanzlerkandidatur. © Foto: Reuters TV

AfD-Chefin Frauke Petry zeigte sich erfreut über Merkels Entscheidung. Ihrer Partei werde dies nützen. Perfekt wäre für die AfD nun noch, wenn EU-Parlamentspräsident Martin Schulz als Spitzenkandidat der SPD antreten würde, da dieser "wie kein anderer Deutscher für das Scheitern der EU steht", sagte Petry. Gemeinsam verkörperten sie als "Traumduo der großen Koalition" den Niedergang Deutschlands. Co-Parteichef Alexander Gauland warf Merkel Instinktlosigkeit vor. Die "Flüchtlingskanzlerin" habe sich in der "Asylkatastrophe" zum Schaden Deutschlands profiliert. "Damit hat sie die deutschen Zukunftschancen verspielt."