Bundeskanzlerin Angela Merkel will wieder für den CDU-Vorsitz und das Kanzleramt kandidieren. Das teilte die 62-Jährige laut dpa im CDU-Präsidium mit.

Merkel hatte schon zuvor erklärt, dass ihrer Ansicht nach der Parteivorsitz und das Kanzleramt in Personalunion zu führen seien. In den vergangenen Tagen waren immer mehr Unionspolitiker davon ausgegangen, dass sie erneut für beide Ämter antreten wird. Auch der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel machte deutlich, dass er damit rechnet. Für den Abend hat Merkel eine Pressekonferenz angesetzt.

Die CDU wählt am 6. Dezember beim Bundesparteitag in Essen ihre Spitze neu. Merkel ist seit April 2000 CDU-Vorsitzende und seit November 2005 Kanzlerin. Sollte sie 2017 zum vierten Mal gewinnen, hat sie die Chance, CDU-Mitbegründer Konrad Adenauer und auch Rekordhalter Helmut Kohl einzuholen. Adenauer war 14 Jahre, Kohl 16 Jahre Bundeskanzler.

Konkurrenzlos in der Union und in der Bevölkerung

Merkel gilt trotz einbrechender Beliebtheitswerte nach der Flüchtlingskrise für sie persönlich und die ganze Union als konkurrenzlos in der CDU. International sehen viele sie nach dem Wahlsieg von Donald Trump in den USA als letzte Verteidigerin westlicher Werte. Der scheidende US-Präsident Barack Obama nannte sie "zäh" und erklärte bei seinem Abschiedsbesuch am Donnerstag, dass er sie wählen würde, wäre er Deutscher.

Auch eine Mehrheit der Deutschen wünscht sich laut einer Umfrage des Emnid-Instituts eine vierte Amtszeit. 55 Prozent sprachen sich dafür aus, dass Merkel nach der Bundestagswahl 2017 als Regierungschefin weitermacht. Gegen eine weitere Amtszeit waren nur 39 Prozent. 92 Prozent der Unions-Anhänger wünschen sich Merkel erneut als Kanzlerin, 66 Prozent der Frauen und sogar 54 Prozent der SPD-Wähler. Im Vergleich zum August verbesserte sich die Zustimmung deutlich: Damals sprachen sich noch 50 Prozent gegen eine weitere Amtszeit aus, "Ja" sagten nur 42 Prozent.

Die Christdemokraten berieten am Sonntag über einen Leitantrag für den Parteitag, der auf Merkel zugeschnitten ist. Der Titel lautet: Orientierung in schwierigen Zeiten – für ein erfolgreiches Deutschland und Europa. Die CDU will enttäuschte Wähler zurückgewinnen. Nötig seien konkrete Lösungen, "auch wenn ihre erfolgreiche Umsetzung manchmal schwierig ist und Zeit braucht".

Die Mitte zurückgewinnen

Die CDU-Politik soll stärker auf Familien und Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen ausgerichtet und das gesetzliche Eintrittsalters nach dem Willen der Partei offenbar an die steigende Lebenserwartung gekoppelt werden. Eine Flüchtlingskrise wie 2015 soll sich nicht wiederholen. Integrationsverweigerer sollen mit Sanktionen bis hin zu Leistungskürzungen und Ausweisung rechnen.

CDU-Vize Armin Laschet hatte zuvor den Entwurf gelobt: "Wenn ich es richtig lese, ist ein neuer Ton drin, dass man sich wieder um die Mitte der Gesellschaft kümmert", sagte er. Man habe in letzter Zeit viel über "Randgruppen" geredet, nun wolle sich die CDU wieder um den "Kern der Gesellschaft" kümmern. Er sei sicher, dass CDU und CSU sich dabei einig seien. Er sagte außerdem, er fände es wichtig, "dass wir jemanden haben, der die Gesellschaft im Inneren zusammenhalten kann" – und meinte Angela Merkel.