Deutschland hat in diesem Jahr besonders viele Menschen abgeschoben. Das geht aus Unterlagen der Bundespolizei hervor, die der Rheinischen Post vorliegen. Demnach gab es bis einschließlich September dieses Jahres 19.914 Abschiebungen. Im gesamten vergangenen Jahr waren es 20.888. Bis zum Ende des Jahres könnten die Zahlen Schätzungen zufolge auf 26.500 steigen. So hoch war die Quote zuletzt 2003.

Mit Abstand am häufigsten werden dem Bericht zufolge Asylbewerber aus den Westbalkanstaaten abgeschoben: Bewerber aus Albanien, dem Kosovo, Serbien, Mazedonien, Bosnien-Herzegowina und Montenegro machen mit 14.529 Abschiebungen bis September fast Dreiviertel aller Fälle aus.

Die Zahl der Abschiebungen von aus Syrien stammenden Asylbewerbern hat sich den Unterlagen zufolge mit 426 Menschen im Vergleich zum Vorjahr bereits mehr als verdoppelt. Auch Abschiebungen von Afghanen nehmen zu. Waren es im vergangenen Jahr noch 178, sind es bis einschließlich September bereits 199. Wenige davon müssen in ihr Heimatland zurückkehren, in diesem Jahr mussten 27 Afghanen nach Afghanistan ausreisen, die übrigen wurden in andere EU-Länder oder Drittstaaten gebracht.

Immer mehr Asylanträge aus der Türkei

Die Zahl der Asylsuchenden aus der Türkei ist einem Bericht zufolge unterdessen stark gestiegen: Von Januar bis Oktober hätten 4.437 Menschen aus dem Land einen Asylantrag in Deutschland gestellt, berichteten die Zeitungen der Funke Mediengruppe unter Berufung auf Zahlen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf). Im Jahr zuvor waren es 1.767 Menschen, 2014 insgesamt 1.806.

Besonders in den vergangenen Wochen habe das System zur Erstverteilung der Antragsteller eine stete Zunahme registriert, berichtet die Zeitung. Seit dem Putschversuch Mitte Juli geht die türkische Regierung mit besonderer Härte gegen die Opposition vor.

"Wir müssen damit rechnen, dass die Zahl der Türken, die in Deutschland politisches Asyl suchen, noch weiter steigen wird", sagte der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Stephan Mayer (CSU). Deutschland würde aber keine Probleme in der Türkei lösen, wenn es regimekritische Bürger einladen würde, einen Asylantrag zu stellen.

Bundesregierung - De Maizière wirbt für differenzierte Türkei-Politik In Berlin haben Menschen gegen den Umgang der türkischen Regierung mit den Kurden im Land protestiert. Innenminister Thomas de Maizière warb derweil für einen differenzierteren Umgang mit der Türkei. © Foto: Wolfgang Kumm / dpa