Nach der Entscheidung für Frank-Walter Steinmeier (SPD) als Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten erhebt die Union Anspruch auf das Außenministerium. "Was für den Bundespräsidenten gilt, nämlich, dass der beste Bewerber es werden möge, gilt auch für den Bundesaußenminister", sagte der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jürgen Hardt, ZEIT ONLINE. Er sehe in den Reihen der SPD aber niemanden, der dieses Amt mit dem gleichen Gewicht ausfüllen könne wie derzeit Steinmeier. "Deswegen sollte der nächste Außenminister aus den Reihen der Union kommen", forderte Hardt. Hier gebe es mehrere geeignete Persönlichkeiten.

Zur Entscheidung der Union für Steinmeier als Kandidaten sagte Hardt, dieser sei von Anfang an einer der naheliegendsten Kandidaten gewesen. SPD-Chef Sigmar Gabriel habe dessen Chancen aber gefährdet, indem er die Nominierung zur parteipolitischen Sache gemacht habe.

Aus der SPD wurde am Montag zunächst kein Nachfolger für Steinmeier als Außenminister genannt. Viele gehen allerdings davon aus, dass der Präsident des EU-Parlaments, Martin Schulz (SPD), diese Aufgabe übernehmen könnte. Das gilt zumindest dann, wenn Schulz nicht erneut zum EU-Parlamentspräsidenten gewählt wird. Darüber wird im Dezember entschieden.

In der Union käme eventuell Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen für diese Aufgabe infrage. CSU-Chef Horst Seehofer lehnte eine Verbindung zwischen Steinmeiers Kandidatur und einer Umbildung des Kabinetts jedoch ab.  Das eine sei von dem anderen unabhängig, sagte er bei einer Pressekonferenz in München. Es wäre ein grober politischer Fehler, jetzt irgendwelche Deals zu machen.

Am Montagmorgen hatten die Präsidien von CDU und CSU sich hinter den Vorschlag von Gabriel gestellt, Steinmeier zum nächsten Bundespräsidenten zu wählen, obwohl die Union in der Bundesversammlung die meisten Delegierten stellt. Bundeskanzlerin Angela Merkel und CSU-Chef Horst Seehofer war es nicht gelungen, selbst einen Kandidaten vorzuschlagen, der von der SPD unterstützt worden wäre. Beide Unionsparteien entschieden sich nun dagegen, einen eigenen Kandidaten in eine Kampfkandidatur zu schicken, der dann im dritten Wahlgang womöglich unterlegen wäre.

Seehofer: Es gab viele Absagen

Nach Angaben von CSU-Chef Horst Seehofer hatte die Union bei der Suche nach einem eigenen Kandidaten zuvor zahlreiche Absagen kassiert. Viele angesprochene Persönlichkeiten hätten eine Kandidatur abgelehnt, sagte Seehofer nach einer Sitzung des CSU-Vorstands in München. "Es waren viele Personen. Sehr viele sogar. Innerhalb der Union, auch der CSU, und außerhalb der Union." Der CSU-Vorstand habe sich bei einer Enthaltung einstimmig dafür ausgesprochen, Steinmeier bei der Präsidentenwahl im Februar zu unterstützen. "Frank-Walter Steinmeier ist ein guter, geeigneter Kandidat für dieses hohe Amt", sagte der CSU-Vorsitzende.

Zwar habe sich seine Partei eine andere Lösung gewünscht. "Aber es gibt dann auch eine Verantwortung für das Amt und für das Land, und der muss man dann gerecht werden, auch wenn es nicht allen parteipolitischen Vorstellungen entspricht", sagte Seehofer.

CDU und CSU bilden in der Bundesversammlung zwar die größte Gruppe, haben aber keine Mehrheit. Einen Kandidaten der Grünen zu unterstützen, sei angesichts der auf dem Grünen-Parteitag am Wochenende deutlich gewordenen Positionen für die CSU ausgeschlossen gewesen, sagte Seehofer. Dies gelte auch für den von ihm geschätzten baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann.

In der Union wurde die Entscheidung für Steinmeier vereinzelt und hinter vorgehaltener Hand als "Blamage für Merkel" bezeichnet. Nach einem Bericht der Rheinischen Post soll auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble unter den Kritikern sein. Er habe von einer "Niederlage" für die Union gesprochen, schreibt die Zeitung und beruft sich auf Teilnehmer einer Telefonkonferenz mit dem CDU-Vorstand, bei der Parteichefin Merkel die Entscheidung mitteilte. Nun wenigstens den künftigen Außenminister zu stellen, könnte zumindest eine kleine Genugtuung für CDU und CSU sein.