Der Alterspräsident des Bundestags hat eigentlich nur eine, allerdings prestigeträchtige Funktion: Er eröffnet nach der Wahl die neue Sitzungsperiode und darf die erste Rede halten. In Berlin herrscht nun die Sorge, dass nach dem erwarteten Einzug der AfD in den Bundestag im kommenden Herbst deren Vizevorsitzender Alexander Gauland (75) den Posten übernimmt und die Parlamentseröffnung für Angriffe auf die anderen Parteien und Propaganda für die eigene Partei nutzt. Verschiedene Grüne sind deshalb offenbar an ihren Kollegen Hans-Christian Ströbele (77) herangetreten, um ihn von einer erneuten Kandidatur zu überzeugen. Dann wäre er voraussichtlich Alterspräsident. Der amtierende Alterspräsident, der CDU-Politiker Heinz Riesenhuber (80), will nicht wieder kandidieren.

"Einzelne Leute sind an mich herangetreten", bestätigte Ströbele der Deutschen Presse-Agentur. Seine Entscheidung stehe aber noch nicht fest. Er werde sie in den kommenden Wochen fällen. Er beziehe dabei alles in seine Entscheidung ein. Der altlinke Grünen-Politiker sitzt seit 1998 im Bundestag. 2013 holte er im Berliner Bezirk Kreuzberg-Friedrichshain zum vierten Mal ein Direktmandat.

Die Bild am Sonntag, die zuerst über die Sache berichtete, zitiert einen Grünen-Abgeordneten: "Ströbele kann mit seinem Eigensinn nerven. Aber jetzt hoffen so viele wie noch nie, dass er weitermacht."