Den vor ihr liegenden Bundestagswahlkampf hat Angela Merkel einen "schwierigen" genannt. Die Kanzlerin meint nicht nur die auftrumpfende AfD: Merkel warnt auch vor der Möglichkeit eines rot-rot-grünen Regierungsbündnisses. Die angeblich drohende Linksfront wird von diversen Christdemokraten gerade nur allzu gern ins Spiel gebracht: CDU-Generalsekretär Peter Tauber hat Rot-Rot-Grün sogar zum "Hauptgegner" im Wahlkampf ausgerufen.

Muss die Union wirklich fürchten, dass Sigmar Gabriel und Sahra Wagenknecht bald gemeinsame Wahlkampfprojekte präsentieren, wie es die Spitzen von SPD und Grünen im Wahlkampf 2013 taten?

Dass SPD, Grüne und Linke gar mit einem Versprechen für eine gemeinsame Koalition in den Wahlkampf ziehen?

Ganz und gar nicht: Warum Rot-Rot-Grün absehbar nicht Wirklichkeit wird, hat die Rede von Sahra Wagenknecht bei der Haushaltsdebatte im Bundestag am Mittwoch wieder gezeigt. Wagenknecht hat, das ist ihre Aufgabe als linke Fraktionsvorsitzende, die Bundesregierung für ihr Spar-Mantra scharf kritisiert. Angesichts der sozialen Spaltung brauche Deutschland jetzt dringend Investitionen statt weitere Kürzungen, sagte sie. Soweit, so normal. Doch dann folgte eine kalkulierte Provokation: "Offenbar hat ja selbst noch ein Donald Trump wirtschaftspolitisch mehr drauf als Sie", sagte Wagenknecht in Richtung von Union und SPD.

Die Antwort folgte prompt – vom SPD-Fraktionsvorsitzenden. Er sei irritiert über den bewundernden Unterton gegenüber dem neuen US-Präsidenten, sagte Thomas Oppermann. Dieser war in Wagenknechts Rede nicht nur einmal herauszuhören. "Ihre Antwort auf den Populismus von rechts ist mehr Populismus von links", schmetterte der SPD-Politiker der Linken empört entgegen.

Es könnte so schön sein

Der Fraktionschef der Grünen, Anton Hofreiter, ignorierte Wagenknechts Entgleisung lieber. Denn linke Politiker, ob in der SPD oder bei den Grünen, haben ein Problem. Sie wollen wenigstens die Option für Rot-Rot-Grün ins Jahr 2017 retten. 

Mit ihrer Begründung liegen die R2G-Anhänger ja nicht falsch: Ein linkes Bündnis könnte eine Antwort auf die Politikverdrossenheit sein. Rot-Rot-Grün könnte die sozialen Probleme im Land wirklich angehen, eine Vision für die Zukunft formulieren, ein Gegenpol zur vermeintlichen Alternativlosigkeit der großkoalitionären Politik sein.

Es gibt inhaltliche Gemeinsamkeiten: SPD, Grüne und Linke sind einig darüber, dass der Staat wieder mehr investieren solle, statt ständig zu sparen. Und dass es eine Vermögenssteuer geben soll – die SPD hatte das Konzept schon in ihrem Wahlprogramm 2013. Gerade lässt sie noch mal die möglichst passgenaue Ausgestaltung prüfen.

Doch leider reicht es eben nicht, innenpolitische Überzeugungen übereinander zu legen: Grüne und SPD wissen um die Unzuverlässigkeit der Linkspartei, deren Querulantentum und Dogmatismus – Wagenknecht ist dafür ein Symbol. Aber um sie wird man bei einer Regierungsbildung eben schwerlich herumkommen.

Die Fraktionschefin der Linken macht sich offensichtlich einen Spaß daraus, jegliche rot-rot-grünen Gedankenspiele im Keim zu ersticken. Das halbe Trump-Lob war ebenso bewusst gesetzt wie die Warnung vor einer angeblichen "Militarisierung" Europas, die Ablehnung jeglicher Kriegseinsätze und die Kritik an der Nato. Auch die Kritik am Euro und manches Liebäugeln mit der AfD in der Flüchtlingsfrage zeigen: Die linke Außenpolitik wird es in Zeiten, in denen die USA Europa militärisch alleine lassen wollen, fast unmöglich machen, ein rot-rot-grünes Regierungsbündnis für die Bundesrepublik zu schließen.

Das weiß die SPD, für die das die einzige Option wäre, nach 2017 den Kanzler zu stellen. Sowieso ahnen viele Genossen: Die Linkspartei hat ihre Rachewünsche an der SPD noch nicht zurückgestellt. Die Gräben, die zu überwinden wären, sind tief. Könnte ein SPD-Kanzler, ob Sigmar Gabriel oder Martin Schulz, ein solch schwieriges Projekt zusammenhalten, wo schon der eigene Laden gespalten ist? Gabriel und Schulz sind impulsiv.  Schon scherzen die ersten, Rot-Rot-Grün sei eigentlich nur mit einem Kandidaten Olaf Scholz zu machen. Nur Scholz könne das Wagnis mit seiner Sprödheit eindämmen. 

Bundestag - Oppermann kritisiert Wagenknecht als Linkspopulistin Politiker von SPD, Grünen und Linken haben im Bundestag gesellschaftspopulistische Tendenzen verurteilt. Oppermann warf Wagenknecht dabei vor, die AfD durch ihre Aussagen zu stärken. © Foto: Bernd Von Jutrczenka/dpa