Weil immer weniger Flüchtlinge nach Deutschland kommen, streichen viele Bundesländer Plätze in den Erstaufnahmestellen. Seit Herbst 2015 sind die Kapazitäten laut einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur zum Teil um fast die Hälfte zurückgegangen. So sank die Zahl der Plätze in Bayern seit Herbst 2015 von 42.000 auf 22.000. In Hessen sind derzeit nur noch elf Unterkünfte aktiv, sechs werden in Reserve gehalten; vor gut einem Jahr waren es noch mehr als 60 Einrichtungen.

In Thüringen sank die Zahl der Erstaufnahmestellen von zehn auf zwei. In Nordrhein-Westfalen ist seit der Schließung der Balkanroute mehr als jedes zweite Bett unbelegt. Fast die Hälfte der Kapazität ist bereits abgebaut. Ziel: rund 35 000 Plätze in festen Unterkünften, dazu knapp halb so viele als Reserve. "Das ist ein regional ausgewogenes und wirtschaftliches System, mit dem wir flexibel auf steigende Zahlen reagieren können", erklärte Innenminister Ralf Jäger (SPD).

Baden-Württemberg will von den rund 34.000 Erstaufnahmeplätzen bis 2020 nur höchstens die Hälfte erhalten; Niedersachsen verfolgt ähnliche Pläne schon bis 2018. Auch Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein haben ihre Plätze etwa um die Hälfte zurückgefahren. Sachsen-Anhalt prüft die Mietverträge von Objekten, die kurzfristig in Erstaufnahmestellen umgewandelt wurden.

Brandenburg wird eingerichtete Außenstellen womöglich früher schließen als geplant. Auch Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern haben ihre Kapazitäten reduziert. In der einzigen Aufnahmestelle des Saarlandes stehen derzeit knapp 500 der 1.300 Betten leer. Zu Spitzenzeiten gab es mehr als dreimal so viele Plätze. Eine Reduzierung sei nicht mehr geplant.

In Berlin sind dagegen noch alle 2.600 Plätze belegt. Allerdings wurden Notunterkünfte aufgelöst, die auch für die Erstaufnahme genutzt wurden. Dazu hält Berlin Platz in Flughafenhallen frei, um flexibel reagieren zu können. In Hamburg sollen zunächst keine Unterkünfte geschlossen werden. Ein Sprecher des Bremer Sozialressorts sagte: "Es wird einen gewissen Stand an Immobilien geben, auf den wir zugreifen können."

Die Länder sind für die Erstaufnahme der Flüchtlinge zuständig. Die Zahl der Asylsuchenden ist von Januar bis Oktober von rund 92.000 auf etwa 15.000 gesunken.