Die Einführung einer gesetzlichen Bürgerversicherung könnte zu einem massiven Stellenabbau bei der privaten Krankenversicherung (PKV) führen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Eine gesetzliche Krankenversicherung für alle, wie sie von SPD, Grünen und Linken favorisiert wird, würde je nach Ausstiegsszenario dazu führen, dass in der PKV zwischen 22.700 und 51.000 Stellen abgebaut werden müssten.

Dieser Stellenabbau entspräche einer Größenordnung von etwa dem Drei- bis Sechsfachen der aktuell bei Kaiser's Tengelmann bedrohten Belegschaft, heißt es in der Studie. Dort mussten nach Gewerkschaftsangaben zeitweise 8.000 der 15.000 Mitarbeiter mit einer Entlassung rechnen. Im Bereich der PKV geht die Studie von etwa 68.000 Beschäftigten (2014) aus. Die Verluste bei den privaten Krankenversicherern lägen also zwischen knapp einem Drittel und sogar drei Vierteln der Jobs.

In der PKV sind rund neun Millionen Menschen versichert. Der PKV-Verband hat wiederholt darauf hingewiesen, dass jeder Euro in der PKV weitere 2,10 Euro an zusätzlicher Bruttowertschöpfung in anderen Unternehmen bewirke. Mit jedem Arbeitsplatz seien außerdem weitere 4,6 Arbeitsplätze verbunden.

Eine ähnliche Studie, die 2013 im Auftrag der Gewerkschaft ver.di erstellt wurde, hatte nach Angaben der Frankfurter Allgemeinen Zeitung von damals ein noch deutlicheres Ergebnis und sorgte im Gewerkschaftslager für enormes Aufsehen.

Kampf gegen die Zwei-Klassen-Medizin

Im Wahljahr 2017 muss sich die PKV dennoch wieder auf Angriffe aus SPD und Opposition einstellen. Der für Gesundheitspolitik zuständige SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach kündigte bereits an, dass für seine Partei die "paritätische Bürgerversicherung" ein Riesenthema werde. Damit strebt die SPD eine gesetzliche Krankenversicherung für alle Bürger an und die Abschaffung der Privaten.

Ähnlich wollen die Grünen eine Krankenversicherung von allen für alle. Ihre Bürgerversicherung bezieht alle Bürger in die Solidargemeinschaft mit ein, auch gut verdienende Angestellte, Selbstständige, Abgeordnete und Beamte. Zur Finanzierung werden alle Einkommen herangezogen – neben den Löhnen, Gehältern und Renten auch die Einkommen aus Vermietung und Verpachtung sowie Gewinne.

Auch nach den Vorstellungen der Linken sollen bei einer Bürgerversicherung alle in eine Kasse einzahlen, egal ob Hartz-IV-Empfänger, Postbote, Manager oder Lehrer. Berücksichtigt werden dabei nicht nur Arbeitseinkommen, sondern auch die Einkommen aus Vermögen sowie aus Grund- und Hausbesitz.

Sozialdemokraten, Grüne und Linke gehen davon aus, auf diese Weise die ihrer Meinung nach in Deutschland vorherrschende Zwei-Klassen-Medizin überwinden zu können.