Der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer hat den künftigen US-Präsidenten Donald Trump gelobt und vor einer schnellen Verurteilung gewarnt. "Mir gefällt, dass er die Menschen direkt anspricht und ihre Lebensrealität berücksichtigt. Nicht abstrakt, sondern mit konkreten Antworten", sagte der bayerische Ministerpräsident der Zeitung Passauer Neue Presse.

Die Menschen hätten genug von ungefähren Ankündigungen, sagte Seehofer und forderte mehr Konkretes in der Politik. "Die Menschen haben die ausdruckslose Lyrik satt, die in Deutschland verwendet wird, nur damit man keine hohen Wellen schlägt." Außerdem forderte er, den frei gewählten US-Präsidenten "nicht in Bausch und Bogen" zu verurteilen, bevor er sein Amt überhaupt angetreten habe. "Wir sollten ihm eine Chance geben. Die praktische Politik ist der Maßstab der Bewertung", sagte Seehofer. Nach Trumps Wahl zum US-Präsidenten hatte Seehofer den Republikaner zu einem Besuch nach München eingeladen.

Im Gespräch mit der Zeitung forderte er außerdem eine harte Linie gegenüber der Türkei. "Wir werden uns nicht erpressen lassen", sagte Seehofer. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte gedroht, den Flüchtlingspakt mit der Europäischen Union aufzukündigen und die Grenzen nach Europa für Flüchtlinge zu öffnen. Europa müsse weiterhin "Menschenrechte, Freiheit und Demokratie verteidigen", sagte der bayerische Ministerpräsident.

Würde die Türkei die Grenzen öffnen, wisse Deutschland, was zu tun sei, so Seehofer. "Wir würden unsere Grenzen dann noch besser sichern", so Seehofers Linie. In diesem Fall müsse allerdings Griechenland und Italien geholfen werden, die Herausforderung zu bewältigen und zu entscheiden, wer in Europa bleiben dürfe.