In der Union knirscht es, die Flüchtlingspolitik bleibt das größte Streitthema. Horst Seehofer sieht seine Partei nicht zwangsläufig an einer neuen Regierung unter Angela Merkel (CDU), die wieder als Bundeskanzlerin antreten will, nach der Wahl 2017 beteiligt. Die CSU sei dazu nur bereit, wenn die Zahl der zuziehenden Flüchtlinge auf 200.000 im Jahr begrenzt werde, sagte er der Augsburger Allgemeinen. "Wir werden nur dann in Berlin mitregieren, wenn das realisiert wird. Diese Garantie gebe ich für meine Partei ab."

Die Obergrenze für Flüchtlinge, die Merkel ablehnt, nannte Seehofer "die schwierigste Frage" im Verhältnis der Schwesterparteien. "Eines steht fest: Das werden die schwierigsten zehn Monate, die CDU und CSU seit Jahrzehnten erlebt haben", sagte Seehofer über die Zeit bis zur Bundestagswahl und begründete sein Festhalten an der Obergrenze: "Wir werden auf maximal 200.000 pro Jahr bestehen, weil eine Begrenzung die Voraussetzung dafür ist, dass Integration gelingt."

Dadurch, dass Merkel im September 2015 die Grenzen für Flüchtlinge geöffnet habe, hätten sich "die politischen Koordinaten verändert", sagte Seehofer. Er werde im Streit um die Obergrenze hart bleiben: "Ich werde nicht ruhen, bis wir die Ursache dieser Entwicklung wieder beseitigt haben."

Dabei gehe er von einem Einlenken der CDU im Obergrenzen-Streit aus. "Die CDU hat sich schon bewegt", betonte Seehofer. "Sie kann nicht ignorieren, dass die Union je nach Umfrage zwischen sechs und zehn Prozent unter ihrem letzten Wahlergebnis liegt. Die Zuwanderung ist dafür der entscheidende Grund."

Auch andere Fragen müssten zwischen CDU und CSU noch geklärt werden, sagte Seehofer. "Es geht um Zuwanderung, Rente, Steuern, Sicherheit sowie um viele weitere wichtige Fragen, zum Beispiel zur Außenpolitik." Dies sei eine riesige Aufgabe. "Ich kann Ihnen heute noch nicht im Einzelnen sagen, wie das alles ausgeht", sagte Seehofer.

Der CSU-Chef signalisierte aber auch Zusammenhalt. Die Union werde gemeinsam um die Stärke von CDU und CSU kämpfen, versicherte er. "Mit guten Inhalten und den dazugehörigen guten Köpfen haben wir die Chance, näher bei 40 als bei 30 Prozent zu landen."