Die SPD will Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrer vierten Kandidatur im September 2017 aus dem Amt drängen. Ihr Fraktionsvorsitzender Thomas Oppermann sagte: "Die Bundestagswahl ist offen, Merkel ist nicht mehr unschlagbar." Ihre Absicht, nochmals für die CDU/CSU anzutreten, sei keine Überraschung, "sondern bei uns schon lange eingepreist". Am Sonntag hatte Angela Merkel vor CDU-Gremien ihre Bereitschaft zu einer erneuten Spitzenkandidatur erklärt.

Merkels "Mythos der Unbesiegbarkeit" sei vorbei, ihre Kandidatur weder überraschend noch abschreckend, sagte SPD-Vize Ralf Stegner. Es sei zu hoch gegriffen, Merkel als Retterin der freien Welt zu bezeichnen, wie dies in diesen Tagen zu hören sei. "Aber unterschätzen tun wir sie natürlich nicht, das wäre ein großer Fehler." Hauptgegner der SPD bei der Wahl sei die Union: "Die Zwietracht zwischen CDU und CSU wird als Hypothek im Wahlkampf bleiben", sagte Stegner dem Tagesspiegel.

Die Fraktionsvorsitzende der Linken Sahra Wagenknecht nannte Merkel die falsche Regierungschefin für die kommende Wahlperiode. "Sie hat die soziale Spaltung in Deutschland vertieft, sie hat die AfD groß gemacht", sagte sie in der ARD-Sendung Bericht aus Berlin. "Niemand sollte sich wünschen, dass das noch vier Jahre so weiter geht." Nötig sei eine andere Politik, "wo sich die Menschen nicht mehr im Stich gelassen fühlen, abgehängt fühlen. Und da sehe ich bei Frau Merkel wenig Ansatzpunkte."

CDU-Kanzlerkandidatur - "Diese Wahl wird schwierig" Bundeskanzlerin Angela Merkel erwartet im nächsten Wahlkampf Anfechtungen von rechts und links. Ein Ausschnitt aus ihrer Pressekonferenz © Foto: Markus Schreiber/AP Photo/dpa

Die "angegrünte" Kanzlerin

Grünen-Chef Cem Özdemir kündigte einen harten Wahlkampf seiner Partei gegen Angela Merkel an. Allerdings gehe es 2017 auch grundsätzlich darum, "anständig miteinander umzugehen und Polemik und Hetze echte Inhalte entgegenzusetzen". Auf Merkels erneute Kandidatur reagierte Özdemir wenig überrascht: "Wen sonst sollte die Union auch ins Rennen schicken?" Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sagte dem Handelsblatt, er sei "sehr gespannt, wie Angela Merkel ihren eigenen Laden zusammenhalten will".

Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner sagte: "Die Union zieht ihren letzten Trumpf und weiß nicht, ob er noch sticht. Denn mit dem Gewicht von Frau Merkel auf der Weltbühne wäre sie sicher eine gute UN-Generalsekretärin, aber ihre deutsche Innenpolitik als Kanzlerin ist leider angegrünt."

Der stellvertretende AfD-Vorsitzende Alexander Gauland sprach von einer weiteren Bankrotterklärung der Union: "Frau Merkel hat sich ausschließlich als Flüchtlingskanzlerin zum Schaden Deutschlands profiliert. Damit hat sie die deutschen Zukunftschancen verspielt." Die CDU-Chefin beweise mit der Absicht, zum vierten Mal für die Kanzlerschaft zu kandidieren, völlige Instinktlosigkeit.

Mit Merkel gegen Rot-Rot-Grün

CSU-Chef Horst Seehofer stellte Merkel die Unterstützung seiner Partei in Aussicht: "Es ist gut, dass jetzt Klarheit herrscht." Auf dieser Grundlage werde man nun klären, mit welchen Themen man gemeinsam in den Wahlkampf gehe und wo Differenzen blieben. Seehofer fügte aber hinzu, an der "gemeinsamen Kanzlerkandidatin" könne man ja jetzt nicht ernsthaft zweifeln.

Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Armin Laschet begrüßte Merkels Kandidatur: "Wir haben eine Kanzlerin, und wir wollen auch, dass sie das bleibt." Sie habe in den vergangenen Wochen viel außenpolitisches Lob erfahren. Laschet hob hervor, "dass wir jemanden haben, der die Gesellschaft im Inneren zusammenhalten kann".

Brandenburgs CDU-Landeschef Ingo Senftleben verlangte, die Partei müsse um neues Vertrauen bei den Menschen in Deutschland werben. "Angela Merkel ist und bleibt die beste Antwort auf die drohende Politik eines rot-rot-grünen Bündnisses, das wir unbedingt verhindern müssen." Auch in schwierigen Zeiten habe Merkel mit Haltung und hohem moralischen Anstand gezeigt, dass sie eine gute Kanzlerin sei.

Die CDU-Vize Julia Klöckner sagte der Rheinischen Post: "Angela Merkel steht für Stabilität, Verlässlichkeit und Bedachtsamkeit." Sie sei eine Regierungschefin, die nicht hektisch, sondern abwägend reagiere. "Sie hat uns mit ihrer Geradlinigkeit und Unaufgeregtheit sehr sicher durch die Finanz- und Wirtschaftskrise geführt." Merkels Stärke sei es, auch in schwierigen Zeiten ruhig und klar zu bleiben.

Die offene K-Frage der SPD

Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes Reiner Hoffmann forderte die SPD auf, nun schnell Klarheit über ihren Kanzlerkandidaten zu schaffen. Deutschland brauche dringend eine Auseinandersetzung über die Frage, wie die Zukunft des Landes gesichert und der Vormarsch der Rechtspopulisten hierzulande und in Europa gestoppt werden könne: "Es geht um einen Plan für mehr Investitionen, für sozialen Zusammenhalt und für die Verteidigung der Demokratie."

Bei der SPD ist offen, ob Parteichef Gabriel oder EU-Parlamentspräsident Martin Schulz Merkel herausfordern werden. Nach Informationen aus SPD-Kreisen wird damit gerechnet, dass bereits vor Weihnachten Klarheit in der sogenannten K-Frage herrscht. Offiziell hält die SPD daran fest, dass die Entscheidung erst Anfang 2017 verkündet wird.

Berlin - Gemischte Reaktionen auf Merkels Kandidatur Angela Merkel hat im CDU-Präsidium angekündigt, erneut als Kanzlerkandidatin anzutreten. Auf den Straßen Berlins waren die Reaktionen zunächst geteilt.