ZEIT ONLINE: Die SPD-Agentur NWMD hat für 3.000 bis 7.000 Euro Treffen mit Amtsträgern verkauft, wie das ZDF-Magazin Frontal 21 berichtete. Jetzt hat die Partei bekannt gegeben, die Praxis zu beenden. Schwamm drüber?

Michael Koß: Schön wär's. Das Sponsoring bleibt ein Problem, weil es über undurchsichtige Kanäle zur Parteifinanzierung beiträgt. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der nächste Problemfall aufgedeckt wird.

ZEIT ONLINE: Ist die bisherige Praxis der Agentur vergleichbar mit der Rent-a-Rüttgers-Affäre aus dem Jahr 2010, über die sich SPD-Funktionäre besonders lautstark beschwert hatten?

Koß: Es gibt durchaus Unterschiede. Die Teilnehmer der von NWMD organisierten Treffen hatten keinen exklusiven Zugang zum Amtsträger wie bei Rüttgers, sondern saßen mit 20, 30 anderen Leuten am Tisch. Die Idee war ein Essen, bei dem die Gesprächspartner wechseln. So hatte jeder seine zehn Minuten mit dem Minister.

ZEIT ONLINE: Außerdem ging es um weniger Geld als damals bei Rüttgers. Kann es der NWMD auch nur um Kostendeckung gegangen sein?

Koß: Um das zu beantworten, müssten wir mehr wissen: Ist das nur die Spitze eines Eisbergs? Wie regelmäßig passierten diese Treffen? Wie viele zahlende Gäste waren dabei? 7.000 Euro für einen Minister klingt zunächst wenig. Wenn das aber 20 Leute zahlen und das zweimal im Monat, dann sind wir schnell bei sechsstelligen Summen. Hinzu kommt, dass für die meisten Menschen in Deutschland 7.000 oder auch 3.000 Euro sehr viel Geld ist – und all diese sitzen dann natürlich nicht am Tisch. Das ist für eine sozialdemokratische Partei natürlich besonders fatal.

ZEIT ONLINE: Die Treffen waren also nicht exklusiv, sondern grundsätzlich offen für jeden, der zahlen konnte und wollte?

Koß: Diese schon. Aber es gibt dem Bericht nach auch sogenannte parlamentarische Abende, die fünfstellige Beträge kosten. Dem ZDF lag ein konkretes Angebot vor. Die Gäste sind dabei vom Sponsor handverlesen, die Einladungen verschickt dann die Agentur. Geladen werden nicht nur Minister, sondern auch Beamte aus den Fachreferaten der Ministerien. So kann der Sponsor auch auf die Arbeitsebene Einfluss nehmen. Das ist schon ein starkes Stück.

ZEIT ONLINE:
Welche Rolle spielt das Sponsoring in der Parteifinanzierung?

Koß: Mangels konkreter Regelungen ist das weitgehend unklar. Über die Einnahmen aus Sponsoring müssen die Parteien keine explizite Rechenschaft ablegen. Die NWMD kann als Teil des parteieigenen Vorwärts-Verlags ihre Einnahmen solange mit Verlusten in anderen Geschäftsbereichen verrechnen, bis kein Gewinn mehr bleibt. Und genauso redet sich jetzt die SPD heraus: Man habe keinen Gewinn gemacht.