Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel hat in einer Pressekonferenz in Berlin ihre Entscheidung begründet, 2017 eine weitere Amtszeit als Bundeskanzlerin anzustreben. "Der geeignete Zeitpunkt ist heute da." Über den Entschluss zur erneuten Kandidatur als CDU-Chefin und für das Kanzleramt habe sie "unendlich viel" nachgedacht. Die Entscheidung sei alles andere als trivial – "weder für das Land noch für die Partei noch für mich." Auf Nachfrage sagte Merkel, sie trete für vier volle Jahre an und wolle auch solange regieren, sofern ihre Gesundheit dies erlaube.

Merkel sprach von überaus schwierigen und unsicheren Zeiten. Sie wolle ihre Erfahrung, ihre Gaben "und natürlich auch neue Ideen" einbringen, um Deutschland zu dienen. Auch wolle sie Deutschland und der CDU etwas zurückgeben. "Diese Wahl wird wie keine zuvor seit der deutschen Einheit schwierig." Sie werde es mit Anfechtungen von rechts zu tun haben, aber auch von links, falls es für eine rot-rot-grüne Mehrheit einigermaßen reichen sollte. Sie sei bereit, einen Wahlkampf zu führen, der sehr anders sein werde als die Wahlkämpfe davor.

"Wir wollen streiten, aber nicht hassen"

Die Weltlage müsse sich nach der Wahl in den USA und im Verhältnis zu Russland erst einmal "neu sortieren". Sie empfinde den zuletzt auf sie ausgeübten Druck als "grotesk und geradezu absurd" – kein Mensch alleine könne die Dinge in Deutschland, Europa, in der Welt mehr oder weniger zum Guten wenden, schon gar nicht eine Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland: "Erfolge erzielen, das geht nur gemeinsam." In der Politik gehe es um den Ausgleich von Interessen. Merkel wiederholte, was sie anlässlich der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten gesagt hatte, dass keine Menschen wegen ihres Geschlechts, ihrer Hautfarbe, ihrer Religion oder ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert werden dürften.

Ihr Ziel sei es, dem Zusammenhalt in Deutschland zu dienen: "Wir wollen streiten, aber nicht hassen und nicht andere ausgrenzen. Wir müssen für ein gutes und starkes Deutschland arbeiten." Sie freue sich auf die politische Auseinandersetzung in den kommenden Monaten: "Wir werden sie unter Demokraten führen und im Ton der Demokraten."

Seit Wochen war in der CDU spekuliert wurden, ob die seit 2005 regierende Bundeskanzlerin nach drei Amtszeiten 2017 ein viertes Mal antreten würde. Sie könnte im Fall ihrer Wiederwahl an die Amtszeiten von Helmut Kohl (16 Jahre von 1982 bis 1998) und Konrad Adenauer (14 Jahre von 1949 bis 1963) heranreichen. Zu ihrem langen Zögern sagte Merkel: "Ich brauche lange, und die Entscheidungen fallen spät – dann stehe ich aber auch dazu."

CDU-Parteitag am 6. Dezember ohne Seehofer

Die CDU-Spitze beriet auch über einen auf Merkel zugeschnittenen Leitantrag für den Bundesparteitag am 6. Dezember. Darin geht es um Stabilität in unsicheren Zeiten. Die 62-jährige Parteivorsitzende will sich beim Delegiertentreffen in Essen zur Wiederwahl stellen. Merkel sagte, der Parteivorsitzende der Schwesterpartei CSU, Horst Seehofer, werde nicht zum CDU-Parteitag kommen. Das habe sie mit Seehofer "im Sinne der Reziprozität" so vereinbart: "Ich war nicht bei der CSU und Horst Seehofer wird nicht Gast bei der CDU in diesem Jahr sein."

Politiker des Regierungspartners SPD reagierten mit einer Kampfansage auf die erneute Kandidatur der Kanzlerin. Fraktionschef Thomas Oppermann sagte, Merkel sei nicht unschlagbar, der Bundestagswahlkampf sei offen. SPD-Vize Ralf Stegner prophezeite, mit Angela Merkels "Mythos der Unbesiegbarkeit" sei es vorbei; Hauptgegner der SPD im Wahlkampf werde die Union sein. Auch Generalsekretärin Katarina Barley warb für einen politischen Wechsel: "Nach zwölf Jahren im Amt ist die Luft wirklich raus". Merkel habe keine Antworten auf die wirklichen Probleme und Sorgen der Menschen.

Laut einer Emnid-Umfrage befürwortet die Mehrheit der Deutschen eine weitere Amtszeit von Angela Merkel. 55 Prozent der Befragten äußerten sich entsprechend. 39 Prozent sprachen sich dagegen aus, dass sie nach der Wahl 2017 Kanzlerin bleibe.