Die geplante Rentenreform von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) stößt bei Politikern von Union und SPD weiter auf Kritik. Ex-Arbeitsminister Norbert Blüm hält das von Nahles vorgeschlagene Mindest-Rentenniveau von mindestens 46 Prozent für nicht ausreichend. "Die Rente muss höher sein als die Grundsicherung, sonst verliert das System seine Legitimität. Ein Niveau von 46 Prozent wird dafür nicht reichen", sagte der 81-jährige CDU-Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

"Frau Nahles stellt zwar die richtige Frage, aber ihre Antwort überzeugt mich nicht", sagte Blüm weiter und forderte zugleich mehr Ehrlichkeit: "Die Jungen müssen mehr bezahlen, alles andere wäre eine Lüge." Blüm warnte auch davor, die Rentenpolitik zum Thema im Bundestagswahlkampf 2017 zu machen: "Alle Jahre wieder eine Rentendiskussion ist Gift für das Vertrauen in die Rente." Blüm war von 1982 bis 1998 Arbeitsminister im Kabinett von Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU). Bis heute wird er mit dem Versprechen "Die Rente ist sicher" in Verbindung gebracht.

Sellering sieht Verantwortung bei der Union

Blüms direkter Nachfolger als Arbeitsminister, Walter Riester (SPD), sieht vor allem den Demografiezuschuss aus Steuermitteln kritisch, den Nahles für die Zeit nach 2030 vorgeschlagen hat. "Wer heute so tut, als ob Wirtschaft und Steuereinnahmen immer weiter wachsen, wird spätestens in der nächsten Krise ein böses Erwachen erleben", sagte der 73-Jährige dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

CSU-Chef Horst Seehofer rief Nahles dazu auf, bei ihrer Forderung nach einem Einfrieren des Rentenniveaus bei 46 Prozent auch die Frage nach der Finanzierung zu klären. "Man kann ein stabiles Rentenniveau nur über höhere Beiträge oder mit mehr Geld aus dem Bundeshaushalt finanzieren. Wer das will, muss Farbe bekennen", sagte der bayerische Ministerpräsident der Passauer Neuen Presse.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) kritisierte den Zeitpunkt für die komplette Angleichung der Ost- an die Westrenten. "Da ist es schon eine Enttäuschung, dass die Rentenangleichung auf Ende 2025 verschoben werden soll", sagte er der Schweriner Volkszeitung. Im Koalitionsvertrag war  zugesichert worden, die vollständige Angleichung bis 2020 zu erreichen. Die Verantwortung für die Verzögerung trage aber ganz klar die Union, sagte Sellering.

Nahles hatte am Freitag ihr langfristiges Rentenkonzept vorgestellt. Darin fordert sie unter anderem, dass das Niveau von heute rund 48 Prozent nicht unter 46 Prozent sinken dürfe. Das Rentenniveau stellt dar, in welchem Verhältnis die Standardrente eines Jahres zum Durchschnittsverdienst der Beitragszahler desselben Jahres steht.