Sigmar Gabriel hat seine Partei dazu aufgerufen, sich in der Frage des SPD-Kanzlerkandidaten nicht "kirre" machen zu lassen. "Bleibt so cool, wie wir es in den letzten Wochen gewesen sind", sagte der Parteivorsitzende nach Teilnehmerangaben in einer Sitzung der SPD-Fraktion und versprach: "Dann werden wir 2017 nicht nur den Bundespräsidenten stellen, sondern auch den Bundeskanzler."

Der Vizekanzler warb bei den Bundestagsabgeordneten um Unterstützung für diesen Zeitplan. "Wir wissen, wohin wir wollen. Und dafür haben wir einen klaren Plan", sagte er. Die SPD wolle erst Wahlprogramm und Kurs bestimmen, dann die Personalien. Das unterscheide die Sozialdemokraten von der Union und CDU-Chefin Angela Merkel. Die Wähler wüssten nun, dass Merkel zum vierten Mal antrete, aber die CDU habe keine politische Botschaft mitgeliefert. Die Union sei nicht nur im Geschwisterstreit verkeilt, sondern ein "Vakuum".

Die SPD solle sich freuen und selbstbewusst sein, weil mit Frank-Walter Steinmeier zum dritten Mal in der bundesdeutschen Geschichte ein Sozialdemokrat Bundespräsident werde. "Die Durchsetzung dieser Kandidatur zeigt eines: was möglich ist, wenn wir Kurs und Kompass haben. Wenn wir an uns selbst glauben", sagte Gabriel. Das sollte die Lehre auch für den anstehenden Wahlkampf sein. 

Auch Kanzlerin Angela Merkel eröffnete die Sitzung der Unionsfraktion mit einem Appell für den kommenden Bundestagswahlkampf. "Lasst uns erfolgreich sein, CDU und CSU gemeinsam", mahnte die CDU-Vorsitzende ihre Parteifreunde um Geschlossenheit. Merkel bekräftigte, dass sie einen schwierigen Wahlkampf erwarte, in dem die Union auch in Abgrenzung zur SPD nicht das Blaue vom Himmel versprechen werde. Es gehe unter anderem um sozialen Ausgleich und eine menschliche Gestaltung der Globalisierung.

Merkel rechtfertigte es in der Fraktionssitzung nochmals als "Signal der Vernunft", dass die Union Außenminister Steinmeier als Bundespräsidentenkandidaten akzeptiert hat. Auf eine entsprechende Frage machte die CDU-Chefin deutlich, es wäre sehr unwahrscheinlich gewesen, dass ein reiner Unionskandidat in der Bundesversammlung im Februar hätte erfolgreich sein können. Fraktionschef Volker Kauder sagte: "Wenn man nicht gewinnen kann, dann darf man wenigstens nicht verlieren."