Der frühere CDU-Generalsekretär Peter Hintze ist tot. Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Landesverbandes ist er in der Nacht zu Sonntag gestorben. Der ehemalige evangelische Pfarrer saß seit 1990 im Bundestag. Hintze gehörte von Anfang an zu einem kleinen Kreis der Vertrauten und Berater von Kanzlerin Angela Merkel. 

Führende Mitglieder der CDU reagierten betroffen auf die Meldung von Hintzes Tod. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, mit ihm verliere die Union "eine ihrer herausragenden Persönlichkeiten". Hintze habe "die Politik der CDU Deutschlands wie auch unseres Landes über Jahrzehnte in unterschiedlichsten Funktionen maßgeblich geprägt". Er sei "ein Mann des offenen Wortes, aber auch des Ausgleichs" gewesen, sagte Merkel.

CDU - Bundestagsvizepräsident Peter Hintze ist gestorben Er sei einer der „erfahrensten, angesehensten und beliebtesten Parlamentarier“ gewesen, sagt Norbert Lammert über seinen Parteikollegen. In der Nacht zum Sonntag erlag Peter Hintze seiner Krebserkrankung. © Foto: Gero Breloer/dpa

"Unvergessen sind vor allem seine sechs Jahre als Generalsekretär der CDU Deutschlands", erklärte Merkel. "Er gehörte zu den herausragenden intellektuellen Köpfen der Partei, war sensibel für gesellschaftliche Entwicklungen, erkannte frühzeitig die Notwendigkeit zur programmatischen Weiterentwicklung und leistete damit einen wichtigen Beitrag, dass die CDU eine lebendige Volkspartei in der Mitte der Gesellschaft bleiben konnte." Der studierte Theologe habe "aus seinem Glauben die Kraft für seine politische Arbeit" gezogen, sagte die Kanzlerin.

Auch Bundestagspräsident Norbert Lammert würdigte Hintze im Namen des Parlaments als "leidenschaftlichen Parlamentarier und einen allseits und über die Fraktionsgrenzen hinaus geschätzten Kollegen". Er habe eine große Begabung gehabt, "Brücken zwischen unterschiedlichen Auffassungen und Interessen zu bauen".

Die stellvertretende CDU-Vorsitzende Julia Klöckner schrieb auf Twitter: "Peter Hintze war klug, humorvoll, kollegial – und ist viel zu früh verstorben." Die frühere Bundesfamilienministerin Kristina Schröder schrieb: "Ich bin todtraurig. Peter Hintze war einer der geistreichsten und warmherzigsten Menschen, denen ich in der Politik jemals begegnet bin."

Theologe und Querdenker

Von 1992 bis 1998 war er Generalsekretär der CDU. 1994 führte er die Rote-Socken-Kampagne gegen die Tolerierung einer SPD-geführten Regierung in Sachsen-Anhalt durch die damalige PDS. 1998 versuchte er die Kampagne zu wiederholen und wurde danach für die Niederlage der CDU unter Helmut Kohl mitverantwortlich gemacht.

Von 1991 bis 1992 war er Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Frauen und Jugend unter der damaligen Ministerin Angela Merkel. Von 2005 bis Oktober 2013 war er Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium und Koordinator für die Luft- und Raumfahrt.

Seit der Bundestagswahl 2013 war Hintze einer der Bundestagsvizepräsidenten. Der evanglische Theologe stellte sich in ethischen Fragen mehrfach gegen seine eigene Kirche und gegen die Spitze seiner Partei. So kämpfte er gegen das Verbot der Präimplantationsdiagnostik (PID). Und er setzte sich auch leidenschaftlich für eine liberale Position in der Debatte um Sterbehilfe ein.