An diesem Dienstag will Sascha Ott ernst machen. Er wolle das konservative Profil der CDU schärfen, hatte er Mitte Oktober auf dem Landesparteitag in Mecklenburg-Vorpommern angekündigt. Für den heutigen Abend hat er nach Anklam eingeladen, zur Gründung eines Konservativen Kreises in der CDU.

Ott ist in der CDU Mecklenburg-Vorpommerns kein unbeschriebenes Blatt. Der 50-jährige Oberstaatsanwalt aus Greifswald hätte nach der Landtagswahl Anfang September eigentlich Justizminister werden sollen. Doch als bekannt wurde, dass er AfD-Seiten gelikt hatte, nahm der Parteivorstand von seiner Nominierung Abstand.

Als persönliche Racheaktion möchte Ott die Gründung seines Konservativen Kreises natürlich auf keinen Fall verstanden wissen. Ihn störe einfach, dass die CDU in den vergangenen Jahren viele Wähler verloren habe, weil sie nicht mehr auf deren Sorgen und Wünsche eingehe, sagt er. Tatsächlich hat die CDU bei der vergangenen Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern nur noch 19 Prozent geholt, zehn Jahre zuvor waren es noch knapp zehn Prozent mehr.

Man habe auch viele Mitglieder verloren, klagt Ott. Allein in seinem Ortsverband Greifswald seien fünf oder sechs direkt zur AfD gewechselt. "In der CDU gibt es ein großes unbestelltes Feld rechts der Mitte".

Mit seinem Wunsch, den konservativen Widerstand gegen die da oben in Schwerin und Berlin zu organisieren, ist Ott nicht allein. In Mecklenburg-Vorpommern sind derzeit noch zwei weitere konservative Gruppen in Gründung. In Nordrhein-Westfalen wurde bereits im Spätherbst des vergangenen Jahres ein Konservativer Kreis aus der Taufe gehoben, der mittlerweile fünf Sprecher hat, die an verschiedenen Orten zu Veranstaltungen einladen.

Konrads Erben werden mehr

Ähnliche Gruppen gibt es in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg. Im Oktober dieses Jahres schlossen sich dann auch noch ehemalige Stipendiaten der Konrad-Adenauer-Stiftung zu Konrads Erben zusammen. Deren geschlossene Facebook-Seite hat mittlerweile 450 Mitglieder. Täglich würden es mehr, sagt der Kölner Unternehmensberater Bernd Samland, der einer der drei Gründer der Initiative ist. Allerdings handele es sich bei dieser Gruppe nur etwa zur Hälfte um CDU-Mitglieder.

Zu einer Art Mentor dieser Bewegung ist der Rechtsanwalt Thomas Jahn aus dem bayerischen Kaufbeuren geworden. Er gründete bereits 2012 den Konservativen Aufbruch innerhalb der CSU. Diese Gruppe werde mittlerweile von 10.000 CSU-Mitgliedern unterstützt, sagt Jahn. Mit CSU-Chef Horst Seehofer ist Jahn allerdings ziemlich zufrieden. Als der Konservative Aufbruch gegründet wurde, habe man die Sorge gehabt, dass das neue Grundsatzprogramm zu zeitgeistig ausfallen werde. Dies sei nun nicht der Fall, sagt er und führt das auch auf seine Initiative zurück. Statt die eigene Partei zu kritisieren, betätigt er sich nun vorwiegend als Aufbauhelfer für konservative Zirkel in der CDU. Mittlerweile habe man in beinahe jedem Bundesland einen Ansprechpartner, sagt er.

Für Jahn ist die Sache klar. "Frau Merkel muss abgelöst werden." In dieser Schärfe äußern sich die Vertreter der CDU-internen Konservativen Kreise nicht. Doch ihr Gründungsimpuls ist derselbe. Sie stoßen sich an der Entwicklung, die ihre Partei in den vergangenen Jahren genommen hat. Die Tatsache, dass im vergangenen Jahr knapp 900.000 Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind, wirkt dabei als Katalysator für die Bewegung. Der einzige Grund ist sie aber nicht. "Reduzieren Sie uns bitte nicht auf die Flüchtlingsfrage", sagt Simone Baum, Mitgründerin des Konservativen Kreises in Nordrhein-Westfalen. Auch für Ott ist die grassierende Angst vor Überfremdung, die es natürlich auch bei CDU-Mitgliedern gebe, nur ein Thema unter anderen.

Vater, Mutter, Kinder

Als Beispiel dafür, wo die CDU wieder konservativer werden müsse, nennt er die Bildungspolitik. Da habe sich seine Partei zu sehr auf rot-grüne Ideen eingelassen und das Leistungsprinzip vernachlässigt. Im Gründungsaufruf des Konservativen Kreises Nordrhein-Westfalen wird neben der ungesteuerten Zuwanderung auch die "überstürzte Energiewende", die Abschaffung der Wehrpflicht oder die Entwicklung der Europäischen Union kritisiert. Erkennbar ist auch die Sehnsucht nach einer Rückkehr zu einem klassischen Familienbild. "Familie besteht für uns in erster Linie aus Vater, Mutter und Kindern", heißt es dort. Nicht infrage gestellt wird dagegen die Berufstätigkeit von Frauen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf will man ausdrücklich fördern.

Für Ott gehört zudem der Umweltschutz zu den konservativen Kernanliegen. Dieses Thema habe man in der Vergangenheit zu sehr den Grünen überlassen, kritisiert er. Koalitionen mit der AfD befürwortet er dagegen zumindest zum jetzigen Zeitpunkt nicht. "Eine Partei, die immer nur Nein sagt, ist nicht regierungsfähig", sagt er.