Gut drei Jahre nach Bekanntwerden früherer Pädophilie-Aktivitäten bei den Grünen hat die Partei ihren Abschlussbericht zu den Vorgängen vorgelegt. "Zu den bittersten Erkenntnissen gehört, dass es unter den pädophilen Aktivisten auch Täter mit grünem Parteibuch gab", heißt es in dem über 300 Seiten umfassenden Text. Grünen-Chefin Simone Peter sagte, die Aufarbeitung der Parteigeschichte sei damit nicht abgeschlossen, "genauso wenig wie die notwendige politische Auseinandersetzung mit dem alltäglichen sexuellen Missbrauch in unserer Gesellschaft". Die Partei werde sich der Frage, "inwieweit individuelle Taten durch institutionelles Versagen der grünen Partei ermöglicht wurden, weiter in jedem Einzelfall stellen", heißt es in dem Bericht. 

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe hatten die Grünen eine Arbeitsgruppe eingerichtet. An diese hätten sich 30 Menschen gewandt, unter ihnen zwölf Betroffene sexuellen Kindesmissbrauchs. Sechs dieser Fälle betrafen den Angaben zufolge Übergriffe in der eigenen Familie oder in Einrichtungen, bei denen kein direkter Zusammenhang zu den Grünen ersichtlich gewesen sei. In drei Fällen, in denen eine "institutionelle Mitverantwortung" der Grünen nicht auszuschließen sei, sei den Betroffenen auf Empfehlung des Anhörungsbeirats eine Zahlung in Anerkennung des von ihnen erlittenen Leides gewährt worden. Es handelte sich demnach um Fälle langjährigen sexuellen Missbrauchs Anfang der 1980er Jahre in der christlichen Emmausgemeinschaft auf dem Dachsberg in Kamp-Lintfort.

In zwei Fällen wurde der Sachverhalt den Angaben zufolge bisher nicht geprüft. Ein weiterer Fall befinde sich derzeit im Verfahren beim Anhörungsbeirat, an den sich Betroffene weiter wenden könnten.

Der Bericht beschäftigt sich auch mit der Offenheit von Teilen der Grünen für pädosexuelle Forderungen Anfang der 1980er Jahre. Parteichefin Peter und Geschäftsführer Michael Kellner sagten, die in den Anfangsjahren der grünen Partei geführte Debatte über die Straffreiheit pädosexueller Handlungen bleibe ein bedrückendes Kapitel der Parteigeschichte, das die Grünen viel zu lange ausgeblendet hätten: "Nach der Distanzierung der Partei von pädosexuellen Forderungen Ende der 1980er Jahre haben wir als Partei diesen Abschnitt als politisch abgeschlossen betrachtet und viel zu spät mit der Aufarbeitung des Geschehenen begonnen." Dadurch sei besonders das Leid Betroffener aus dem Blick geraten.

Im Vorfeld der Bundestagswahl 2013 war bekannt geworden, dass sich Aktivisten der Pädophilen in den 1980er Jahren bei den Grünen organisiert hatten und deren Forderungen von Parteigliederungen in Einzelfällen übernommen worden waren. Die Pädophilie-Debatte hatte den Grünen im Wahlkampf erheblich geschadet. Nach der Wahl beschloss die Parteispitze, neben einer wissenschaftlichen Untersuchung auch eine eigene Arbeitsgruppe zur Aufarbeitung einzusetzen. Für Betroffene sexuellen Kindesmissbrauchs haben die Grünen eine telefonischen Anlaufstelle sowie einen Anhörungsbeirat geschaffen.