Die deutschen Sicherheitsdienste machen russische Hacker für die Veröffentlichung von mehr als 2.400 geheimen Dokumenten aus dem NSA-Untersuchungsausschuss verantwortlich. Das berichtet die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS). Es gebe eine "hohe Plausibilität, dass die Akten aus dem Cyber-Angriff Russlands auf den Bundestag im Frühjahr 2015 stammen", zitiert das Blatt einen hohen Sicherheitsbeamten. 

Auf der Enthüllungsplattform Wikileaks waren vor zwei Wochen geheime Dokumente aus dem NSA-Untersuchungsausschuss veröffentlicht worden. Sicherheitskreise vermuten, dass die Unterlagen aus dem Hackerangriff im Frühjahr 2015 stammen, weil keine Akte aus dem Zeitraum nach Januar 2015 veröffentlicht wurde. Als unwahrscheinlich gilt demnach, dass die Akten aus einem Abgeordnetenbüro im Bundestag weitergegeben wurden. Denn dann wäre versucht worden, auch möglichst "frische" Akten zu veröffentlichen, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Sicherheitskreise.

Speziell die russischen Cyberkampagnen der russischen Regierung, APT 28 und APT 29, rückten zuletzt in den Fokus der westlichen Geheimdienste. APT steht für "Advanced Persistent Thread", also eine andauernde und fortgeschrittene Bedrohung. Die Kampagne APT 28 soll für den Angriff auf den Bundestag verantwortlich sein. Die CIA wirft beiden Kampagnen eine Einmischung in die US-Präsidentschaftswahl vor, berichtet die FAS.

Mit dem im März 2014 eingesetzten NSA-Untersuchungsausschuss hatte der Bundestag auf die Enthüllungen des früheren Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden zu den massiven Spähprogrammen des US-Geheimdiensts reagiert. Dabei soll geklärt werden, inwieweit Bürger und Politiker in Deutschland von der NSA und verbündeten Geheimdiensten ausspioniert wurden.

Politiker fürchten Manipulation der Bundestagswahl

Mehrere deutsche Politiker warnen vor einer Manipulation der Bundestagswahl im kommenden Jahr. "Die Gefahr der Einflussnahme durch gezielte Infiltration von außen mit dem Ziel der Manipulation von Fakten und Meinungen besteht generell", sagte CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach dem Kölner Stadtanzeiger.

Auch der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rolf Mützenich, sagte der Zeitung: "Leider sind solche Aktivitäten auch in Deutschland nicht mehr auszuschließen. Hackerangriffe, wie auf den Bundestag, machen auch vor demokratischen Institutionen nicht mehr halt. Im Wahlkampf werden wir uns auf Verzerrungen und Lügengeschichten einstellen müssen."

Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner warnte vor einer Unterstützung der AfD durch Moskauer Aktivitäten: "Es ist schon jetzt ist absehbar, dass von Russland gesteuerte Online-Medien Fehldeutungen und Falschinformationen verbreiten. Das ist die Spitze des Eisbergs. Damit soll unser Land destabilisiert und die AfD gestärkt werden."

Oppositionspolitiker äußerten hingegen Zweifel an der Verantwortung Russlands für die Veröffentlichungen. "Grundsätzlich muss man die Gefahr solcher Angriffe auch mit Blick auf den Bundestagswahlkampf sehr ernst nehmen", sagte der Grünen-Politiker Konstantin von Notz dem Tagesspiegel.  Im Fall der NSA-Akten sei er aber skeptisch, ob tatsächlich Russland verantwortlich sei. "Als der Hackerangriff 2015 untersucht wurde, hieß es ausdrücklich, der Untersuchungsausschuss sei nicht betroffen", sagte von Notz, Obmann seiner Partei im NSA-Ausschuss.

André Hahn, Vertreter der Links-Partei im Untersuchungsausschuss, sagte dem Tagesspiegel, die Vorwürfe, Russland könne sich in die Bundestagswahl einmischen, seien "absurd". Es gebe zudem viele Möglichkeiten, wie Wikileaks an die Dokumente gelangt sein könnte.