Die Vorsitzende der Linksfraktion hat sich mit dem Vorsitzenden der SPD getroffen. Sahra Wagenknecht war im Willy-Brandt-Haus, der SPD-Parteizentrale, mit Sigmar Gabriel zusammengekommen, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Ein Sprecher der Linksfraktion sagte dazu, die beiden hätten Kaffee getrunken und "einfach mal reden" wollen. Von der SPD gab es keinen Kommentar.

Weiter wurde aus dem Gespräch nichts bekannt. Die Begegnungen zwischen Spitzenpolitikern von Linken und SPD werden in Berlin aber genau verfolgt. Denn seit Jahren ist eine Koalition mit Linkspartei und Grünen die einzig halbwegs realistische Option für die SPD, wenn sie den Kanzler stellen möchte. Die Umfragewerte der Sozialdemokraten liegen deutlich unter denen der Union, ein Rot-Grün-Bündnis wäre weit von einer Mehrheit entfernt. Für die Linke ist eine Koalition mit SPD und Grünen überhaupt die einzige Möglichkeit, an einer Regierung beteiligt zu werden.

Die Parteien sind strategisch also aneinander gekettet. Doch personell gibt es Probleme. Der von Wagenknecht angeführte linke Flügel der Linkspartei schimpft regelmäßig auf SPD und Grüne, dort wiederum halten viele die Linkspartei für zu unstet und nicht regierungsfähig.

Beide Seiten halten sich eine Koalition aber offen. Wagenknecht betont stets, an ihr würde ein Bündnis nicht scheitern, wenn es sich auf eine wirklich soziale Politik verpflichte. Gabriel seinerseits tauchte vor einigen Wochen bei einem großen Treffen von linken, grünen und sozialdemokratischen Abgeordneten auf – wohl um Unterstützung für die Gespräche zu demonstrieren.

Für die SPD ist es strategisch doppelt wichtig, die Koalitionsoption mit der Linken zumindest theoretisch offenzuhalten: Zum einen will sie ihren Anhängern im Wahlkampf nicht sagen müssen, dass sie sich lediglich als Juniorpartner einer Großen Koalition bewirbt. Zum anderen kann sie sich nur dann in Koalitionsverhandlungen mit der Union gut verkaufen, wenn sie eine weitere Machtoption hat. Selbst wenn Gabriel eine R2G-Koalition für unrealistisch hält, hat er also ein Interesse daran, diese Option realistisch erscheinen zu lassen.