Altbundespräsident - Trauer um Roman Herzog Bundespräsident Joachim Gauck würdigte Altbundespräsident Roman Herzog als "markante Persönlichkeit, die das Selbstverständnis Deutschlands und das Miteinander in unserer Gesellschaft geprägt und gestaltet hat". © Foto: Getty Images

Der frühere Bundespräsident Roman Herzog ist tot. Wie das Bundespräsidialamt bestätigte, starb er im Alter von 82 Jahren in der Nacht zu Dienstag. Bundespräsident Joachim Gauck würdigte seinen Amtsvorgänger als "markante Persönlichkeit" mit "vorwärtsstrebendem Mut". Herzog habe das Selbstverständnis Deutschlands und das Miteinander der Gesellschaft geprägt und gestaltet. Die Bürger- und Freiheitsrechte seien ihm niemals nur abstrakte Begriffe gewesen. "Mit Sachverstand, Klugheit und großer Lebenserfahrung trat er für unser Land und seine freiheitliche Verfassung ein."

Herzog stand von 1994 bis 1999 als siebter Bundespräsident an der Spitze der Bundesrepublik Deutschland. Unermüdlich warnte der CDU-Politiker in dieser Zeit vor Reformmüdigkeit im Land und machte es sich zur Aufgabe, gegen Blockaden in Politik und Gesellschaft anzugehen. Besonders in Erinnerung blieb der zentrale Satz "Durch Deutschland muss ein Ruck gehen" aus seiner sogenannten Ruck-Rede von 1997. "Wir müssen Abschied nehmen von liebgewordenen Besitzständen", heißt es in der Berliner Rede. "Alle sind angesprochen, alle müssen Opfer bringen, alle müssen mitmachen."

Die ganze Gesellschaft leidet bei uns an eingeschlafenen Füßen, die allerdings bis ans Hirn führen.
Oktober 2004 bei der Verleihung des Leibniz-Rings in Hannover

Auch während seiner Zeit in Bellevue – auf eine zweite Amtszeit hatte er frühzeitig verzichtet – blieb die Entwicklung der deutschen Gesellschaft ein Thema, das ihn umtrieb. "Das Volk bewegt sich nicht", sagte er etwa im Frühjahr 2008. Es gebe zwar eine gewisse Bereitschaft zu Reformen, "aber es bräuchte politische Führung, echtes Charisma, um sie zu mobilisieren". So engagierte er sich auch in verschiedenen Organisationen, etwa im Europäischen Konvent, der die Grundrechtecharta der Europäischen Union verfasste, sowie im Konvent für Deutschland, einem Expertengremium, das sich unter anderem mit den Themen Föderalismusreform und Finanzverfassung beschäftigt.

Es müssen nicht alle die gleichen Dummheiten machen.
Im April 1997 über eine zweite Amtszeit

Dieses Engagement für umfassende Reformen in Deutschland würdigte auch die Bundeskanzlerin in ihrer Reaktion auf Herzogs Tod. "In klarer Sprache drückte er immer wieder seine Überzeugung aus, dass das Land sich stetig weiter entwickeln und erneuern müsse", sagte Angela Merkel. "Seine unverwechselbare kluge Stimme und seine Fähigkeit, Probleme offen zu benennen und dabei Mut zu machen, wird mir und wird uns allen fehlen."

"Gegen jede Form von Ausländerfeindlichkeit und Rechtsextremismus"

Vize-Kanzler und SPD-Chef Sigmar Gabriel würdigte in einem Kondolenzschreiben an Herzogs Witwe, Alexandra Freifrau von Berlichingen, die Verdienste des früheren Staatsoberhauptes. Herzog habe "für einen Dialog zwischen den Religionen geworben, sich mit deutlichen Worten für Integration und gegen jede Form von Ausländerfeindlichkeit und Rechtsextremismus eingesetzt und frühzeitig auf die Probleme der globalisierten Welt hingewiesen", heißt es dem Schreiben, das die SPD in Teilen veröffentlichte.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier beschrieb Herzog als "einen geradlinigen, ehrlichen und klugen Menschen erlebt, der sich nicht scheute, auch harte Wahrheiten anzusprechen, aber auch seinen tiefsinnigen Humor niemals verlor".

Bildungsminister, Verfassungsrichter, Protestant

Seine politische Karriere in hohen Ämtern begann der Jurist als Bildungs- und als Innenminister in Baden-Württemberg. 1983 wurde er zum Vizepräsidenten des Bundesverfassungsgerichts berufen und vertrat dort eine eher liberale Linie. Von 1987 bis 1994 stand er dem höchsten deutschen Gericht schließlich als Präsident vor.

Neben seinen vielseitigen politischen Aktivitäten engagierte sich der Protestant auch für seinen christlichen Glauben und seine Kirche. Zwischen 1973 und 1991 gehörte Herzog der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland an, von 1978 bis 1983 stand er dem Evangelischen Arbeitskreis von CDU und CSU vor. Von 1981 bis 1994 hatte er zudem die Mitherausgeberschaft der Bonner Wochenzeitung Christ und Welt – Rheinischer Merkur übernommen.

Immer freuen sich alle, wenn man kommt. Das ist das Schöne am Amt des Bundespräsidenten: Man muss nie jemandem wehtun.
1997 bei einem Besuch in Rüsselsheim

1934 in Landshut als Sohn eines Archivars geboren, hatte Herzog zunächst eine juristische Karriere an der Universität München eingeschlagen und sich bereits mit 30 Jahren habilitiert. Ein Jahr später wurde er Professor an der Freien Universität Berlin. 1959 heiratete er Christiane Krauß und hatte mit ihr zwei Söhne. Zuletzt lebte er auf der Götzenburg in Jagsthausen bei Heilbronn, wo seine zweite Frau Alexandra Freifrau von Berlichingen zu Hause ist. Christiane Herzog, die sich nicht nur während der Amtszeit ihres Mannes im sozialen Bereich engagierte, war im Juni 2000 gestorben.