Die Äußerungen des thüringischen AfD-Vorsitzenden Björn Höcke zum Holocaust-Gedenken stoßen auch auf Kritik in der eigenen Partei. AfD-Chefin Frauke Petry sagte der rechten Wochenzeitung Junge Freiheit: "Es bestätigt sich, was ich schon vor einem Jahr sagte. Björn Höcke ist mit seinen Alleingängen und ständigen Querschüssen zu einer Belastung für die Partei geworden."

Die AfD müsse sich nun entscheiden, ob sie den Weg der Republikaner gehen wolle oder den anderer erfolgreicher Parteien wie der FPÖ. "Wir werden Realisten sein oder politisch irrelevant werden", so Petry.

Höcke hatte während einer Veranstaltung der Jungen Alternative am Dienstagabend in Dresden zum Holocaust-Mahnmal in Berlin unter anderem gesagt: "Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat."

Gauland verteidigt Höcke

Der nordrhein-westfälische AfD-Vorsitzende Marcus Pretzell kritisierte Höcke. Er treibe "kluge und kritische bürgerliche Wähler" der Partei zurück in das Lager der Nichtwähler, sagte Pretzell, der Frauke Petrys Ehemann ist, der Bild-Zeitung. "Zum wiederholten Male drückt sich Björn Höcke sehr missverständlich aus, um es vorsichtig zu formulieren", sagte er. "Zum wiederholten Male rührt er dabei mit größter Ignoranz an einer 12-jährigen Geschichtsepoche, deren Revision wahrlich nicht die Aufgabe der AfD ist."

Auch Alice Weidel, AfD-Bundesvorstandsmitglied und Spitzenkandidatin in Baden-Württemberg, kritisierte ein revisionistische Geschichtsverständnis: "Die AfD ist eine zukunftsorientierte Partei. Sie steht für die Korrektur der Fehlentwicklungen der Gegenwart und nicht für die Revision der Vergangenheit. (...) Solche unsäglichen, rückwärtsgewandten Debatten sind überflüssig und kontraproduktiv. Herrn Höckes Alleingänge schaden der Akzeptanz der Partei bei den Bürgern."

Dagegen verteidigte AfD-Vize Alexander Gauland Höcke. "Die Frage, ob man das mitten in die deutsche Hauptstadt stellen muss", sei vor der Errichtung des Mahnmals breit diskutiert worden, sagte Gauland. Dass Höcke diese Frage nun noch einmal aufgeworfen habe, tauge nicht zum Skandal.

"Björn Höcke hat in keiner Weise Kritik an der Erinnerung an den Holocaust geübt", sagte Gauland. Wenn Höcke darauf hinweise, dass die Leistungen der deutschen Geschichte im öffentlichen Diskurs oftmals "unter der Erinnerung an diese zwölf Jahre" verschwänden, sei das für ihn nachvollziehbar. 

"AfD zeigt ihr wahres Gesicht"

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, bezeichnete die Rede Höckes in der Bild-Zeitung hingegen als "zutiefst empörend und völlig inakzeptabel. Die AfD zeige "mit diesen antisemitischen und in höchstem Maße menschenfeindlichen Worten ihr wahres Gesicht." Dass 70 Jahre nach der Schoah solche Äußerungen eines Politikers in Deutschland möglich seien, "hätte ich nicht zu glauben gewagt". 

Auch der israelische Botschafter in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsman, forderte Höcke dazu auf, sich zu entschuldigen. "Es ist eine Schande, dass unter uns Menschen sind, die falsche Konsequenzen aus der deutschen Geschichte ziehen wollen", sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Vertreter der Linkspartei haben unterdessen Strafanzeige gegen Höcke wegen Volksverhetzung gestellt. Höcke war bis zu seinem Einzug in den Thüringer Landtag 2014 als Geschichtslehrer in Hessen tätig.