Immer mehr nach Deutschland geflohene Menschen lassen ihre Familien nachkommen und beantragen dazu Visa bei den deutschen Botschaften. Im vergangenen Jahr seien allein für den Familiennachzug aus Syrien und dem Irak 73.000 Visa erteilt worden, berichtete die Welt unter Berufung auf Angaben des Auswärtigen Amtes. Dies sei eine Verdreifachung der Zahlen im Vergleich zum Vorjahr, in dem für diesen Personenkreis 24.000 Visa ausgegeben worden seien. Weltweit wurden dem Bericht zufolge für den Familiennachzug im vergangenen Jahr rund 105.000 Visa erteilt. 

Durch das im März 2016 in Kraft getretene Asylpaket II erhalten immer mehr Asylbewerber aus Syrien lediglich subsidiären Schutz. Sonst wäre die Zahl der nachkommenden Angehörigen wahrscheinlich höher. Für Flüchtlinge mit diesem eingeschränkten Schutzstatus ist die Familienzusammenführung für zwei Jahre ausgesetzt worden. Das sind alle, die sich nicht auf das Grundrecht auf Asyl berufen können und auch keinen Schutzstatus nach der Genfer Flüchtlingskonvention haben, aber dennoch nicht heimgeschickt werden, weil ihnen dort zum Beispiel Folter oder Todesstrafe drohen. Sie dürfen erst ab dem 16. März 2018 einen entsprechenden Antrag stellen.

Viele Angehörige sollen sich deshalb noch in einer Warteschleife befinden. Nach Informationen des Mediendienstes Integration haben sich alleine in der Botschaft Beirut bereits rund 8.000 Familienmitglieder von Flüchtlingen für einen Termin registrieren lassen. Aus dem Auswärtigen Amt hieß es dazu: "Alle Antragsteller, die Familiennachzug zum Schutzberechtigten an den Auslandsvertretungen der Region um Syrien begehren, können gegenwärtig Terminwünsche registrieren und erhalten eine Terminnummer."

Damit könnten Probleme auf die Gemeinden und Städte in Deutschland zukommen, wie Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer (CSU) prognostizierte. Durch den Nachzug von Angehörigen werde sich die Zahl der Syrer im Land etwa verdoppeln, da fast alle Syrer nach bisherigen Erfahrungen als Flüchtlinge anerkannt oder einen gesicherten Status bekommen würden. Damit seien sie berechtigt, Familienmitglieder nachzuholen, sagte er.

Im vergangenen Jahr erhielten in Deutschland 153.700 Menschen subsidiären Schutz. Das waren rund 22 Prozent aller Asylentscheidungen, die 2016 getroffen wurden. Zum Vergleich: 2015 waren nur 0,6 Prozent aller Antragsteller in diese Kategorie gefallen.