Sahra Wagenknecht soll gemeinsam mit Co-Fraktionschef Dietmar Bartsch die Linke als Spitzenkandidatin in den Bundestagswahlkampf führen. Und sie hat sich Gedanken gemacht, wie ihre Partei verhindern kann, dass weitere Anhänger von ihr zur AfD abwandern, und wie sie womöglich zusätzlich Protestwähler aus diesem Spektrum gewinnen kann. Die rechtspopulistische Partei habe kein soziales Programm. "Und deswegen hoffe ich, dass wir auch viele von denen erreichen, die zurzeit aus Frust, aus Verärgerung über die bisherige Politik darüber nachdenken, AfD zu wählen, aber nicht, weil sie deren Parolen unbedingt gut finden, sondern wirklich nur, weil sie sagen: 'Ich will deutlich machen, dass sich was ändern muss'", sagte Wagenknecht im Deutschlandfunk.

Wagenknecht
war schon mehrfach durch Äußerungen aufgefallen, die wie Parolen der AfD klangen. So hatte sie zuletzt ähnlich wie AfD-Politiker Bundeskanzlerin Angela Merkel wegen ihrer Flüchtlingspolitik mitverantwortlich gemacht für den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt. Dafür war sie auch von Links-Politikern kritisiert worden.

CDU-Generalsekretär Peter Tauber setzte ihre Partei mit der AfD gleich: Wagenknechts Aussage mache deutlich, "dass die Linkspartei eine rote AfD ist", sagte er der Bild am Sonntag. "Sahra Wagenknecht und Frauke Petry sind das doppelte Lottchen des Populismus in Deutschland." Deshalb schließe die CDU mit beiden Parteien eine Zusammenarbeit aus. "So eine klare Abgrenzung nach beiden Seiten erwarte ich auch von SPD und Grünen."

Beim Thema Sicherheit forderte Wagenknecht mehr Polizei und eine verbesserte Beobachtung von Islamisten durch Verfassungsschutz und Polizei. Den Einfluss der türkischen Religionsbehörde Diyanet auf die Moscheen der Türkisch-Islamischen Union Ditib in Deutschland möchte Wagenknecht einschränken: "In dem Augenblick, wo die Türkei sich in eine islamistische Diktatur verwandelt – was sie ja jetzt unter Erdoğan tut – ist das ein Problem. Das war früher wahrscheinlich kein Problem, aber inzwischen ist es eines."

SPD-Generalsekretärin Katarina Barley kritisierte die Linken-Fraktionschefin: "Wir alle setzen uns für die ein, die sich von der Politik nicht gehört fühlen. Frau Wagenknecht bedient dabei aber die gleichen Vorurteile wie die Demagogen vom rechten Rand." Dies sei gefährlich. Sie wünsche sich, dass sich unter den Linken mehr "von dieser Sprache klar distanzieren".