Sigmar Gabriel wird nicht als Kanzlerkandidat der SPD bei der Bundestagswahl im September antreten. Er wird auch den SPD-Parteivorsitz niederlegen und vom Bundeswirtschaftsministerium ins Auswärtige Amt wechseln. Diese Entscheidung wird Gabriel der engsten Parteiführung am Dienstagabend offiziell mitteilen.

Welche privaten Motive und politischen Erwägungen den SPD-Chef zum Verzicht auf die Kanzlerkandidatur bewogen haben, hat Gabriel dem stellvertretenden ZEIT-Chefredakteur Bernd Ulrich in den vergangenen sechs Monaten in vielen Gesprächen dargelegt. Ulrich schildert das innere Ringen und das strategische Kalkül des 57-Jährigen in einem großen Porträt, das am Donnerstag in der ZEIT erscheinen wird.

Das Porträt zeigt einen Politiker, der "nach einem halben Jahr Nachdenken, Zweifeln, Ringen, nach Fahrplanänderungen und Freundschaftskrisen" endlich mit sich im Reinen ist. Und es erzählt viel über die moderne Ehe, über Freundschaft, über die SPD, über die Medien. Und über die Lage der politischen Klasse in Deutschland, die hin- und hergerissen ist zwischen Machtstreben und Machtflucht, Überforderung und Verantwortung angesichts eines Umbruchs, wie ihn die meisten Politiker noch nicht erlebt haben.

Mit Gabriels spektakulärer Entscheidung endet die wochenlange Ungewissheit über die wichtigste Weichenstellung der SPD vor der Bundestagswahl 2017. Spitzenkandidat der Sozialdemokraten soll statt Gabriel der ehemalige Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, werden. Das wird Gabriel den Parteigremien in den nächsten Tagen vorschlagen. Zugleich soll Schulz auch den Vorsitz der SPD übernehmen.

Den letzten Ausschlag für Gabriels Entscheidung soll eine von ihm selbst in Auftrag gegebene Umfrage unter SPD-Sympathisanten gegeben haben, in der eine große Mehrheit der Partei mit Martin Schulz bessere Chancen bei der Bundestagswahl einräumt. Gabriel sagte der ZEIT auf die Frage, ob er deswegen Schulz zur Kandidatur auffordern will: "Ja. Das ist meine Pflicht als Vorsitzender."

Das große Porträt über SPD-Chef Sigmar Gabriel finden Sie in der ZEIT Nr. 5 vom 26.01.2017. Die digitale ZEIT können Sie hier erwerben.