SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz will sehr große Vermögen in Deutschland stärker besteuern. "Riesenvermögen" müssten höher belastet werden als kleine und mittlere, sagte Schulz in Berlin. Zudem dürften Erträge aus Kapital künftig nicht mehr geringer besteuert werden als Arbeitseinkommen. Dazu will die SPD die pauschale Abgeltungsteuer von 25 Prozent auf Kapitalerträge abschaffen.

Keine konkreten Angaben machte Schulz dazu, wie er zu einer Wiedereinführung der Vermögenssteuer steht, die von Linken und Teilen der Grünen gefordert wird. Auch seine Haltung zu einer höheren Besteuerung von Firmenerben ließ er offen: "Die Reduzierung der Debatte nur auf diese Kampfbegriffe ist völlig falsch", sagte Schulz. Das Wahlprogramm werde die SPD Ende Mai bei einem Parteitag endgültig festlegen.

Linksfraktionschefin Sahra Wagenknecht kritisierte, dass die SPD vor jeder Wahl mehr soziale Gerechtigkeit versprochen habe. "Ergebnis ihrer Politik dagegen sind die Zustände, die Martin Schulz jetzt zu recht beklagt", sagte Wagenknecht. Auch Grüne und die SPD-Jusos forderten Schulz zu klaren Standpunkten in der Sozial- und Bildungspolitik sowie beim Klimaschutz auf.

SPD - Der noch unkonkrete Kandidat Martin Schulz will in das Kanzleramt einziehen, doch warum sollen wir ihn wählen? Eine vorläufige Suche nach Antworten. © Foto: ZEIT ONLINE

"Man muss sich die Kraft einteilen"

Den Bundestagswahlkampf bezeichnete Schulz, der sein Mandat im Europäischen Parlament diese Woche niederlegen will, als Langstreckenlauf. Er sei früher nicht nur Amateur-Fußballer gewesen, sondern auch 10.000-Meter-Läufer. "Man muss sich die Kraft einteilen, das meiste braucht man für den Endspurt." Zugleich zeigte Schulz sich erfreut über die Aufbruchstimmung in der Partei seit seiner Nominierung und steigende Umfragewerte. In den vergangenen Tagen traten fast 1.800 Menschen neu in die SPD ein.

Auf eine Wunschkoalition wollte sich der SPD-Kanzlerkandidat, der am 19. März zum Parteichef und Nachfolger von Sigmar Gabriel gewählt werden soll, erneut nicht festlegen. Eine Koalition der SPD mit Grünen und Linken ist nach aktuellen Umfragen die wahrscheinlichste Möglichkeit für Schulz, Bundeskanzler zu werden. Eine Stimmenmehrheit hat das Bündnis derzeit aber nicht.