Asylbewerber in Deutschland müssen immer länger auf einen Bescheid der Behörden warten, ob sie bleiben dürfen oder nicht. Im vierten Quartal 2016 brauchte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) im Schnitt 8,1 Monate, um einen Bescheid auszustellen. Dies berichtet die Funke Mediengruppe unter Berufung auf Zahlen des Bundesinnenministeriums im Rahmen einer Antwort auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag. Demnach brauchte das Bamf im gesamten Jahr 2016 durchschnittlich 7,1 Monate. Im Vergleich dazu lag im Jahr 2015 der Durchschnittswert noch bei 5,2 Monaten.

Auch bei der Abarbeitung der sogenannten Altfälle kommt das Bamf nach Angaben des Ministeriums nicht voran: 58.848 Menschen warteten Ende 2016 mehr als 18 Monate auf ihren Asylentscheid. Ende 2015 habe die Zahl noch bei 46.066 Altfällen gelegen. Zudem seien 2016 zwischen dem Tag der Einreise und der Asylantragstellung im Schnitt 5,9 Monate vergangen. "Für die Betroffenen ist das völlig unzumutbar und für die Aufgabe ihrer Integration eine Riesenbürde", sagte die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Ulla Jelpke, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Viele Schutzsuchende würden sogar über Jahre im Unklaren gelassen und zur Untätigkeit gezwungen.

Überdurchschnittlich lange mussten demnach vor allem Menschen aus Somalia (17,3 Monate), der Türkei (16,3 Monate) und der Russischen Föderation (15,6 Monate) auf einen Asylentscheid warten. Syrer bekamen im Schnitt nach 3,8 Monaten einen Bescheid. Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge mussten 2016 im durchschnittlich 8,3 Monate auf eine Entscheidung der Behörde warten.

Aus der Statistik des Bundesinnenministeriums geht auch hervor, dass im vergangenen Jahr 8.486 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nach Deutschland kamen. 649 von ihnen seien an der Grenze von der Bundespolizei zurückgewiesen oder zurückgeschoben worden. Dies geschah demnach vor allem an der Grenze zu Österreich. Besonders junge Menschen aus Afghanistan (278) hätten nicht nach Deutschland einreisen dürfen. Jelpke nannte dies "unverantwortlich und rechtswidrig". Es sei ein "Skandal und mit dem Vorrang des Kindeswohls nach der UN-Kinderrechtskonvention in keiner Weise vereinbar".