Der designierte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier will in seiner Amtszeit besonders das Gespräch mit Russland und den USA suchen. Steinmeier sagte im ZDF, derzeit vollziehe sich eine "völlige Neuordnung der internationalen Beziehungen". Während die "schwierigen Gesprächspartner" für Deutschland in der Vergangenheit eher im Osten gewesen seien, gebe es nun auch Schwierigkeiten im transatlantischen Verhältnis.

Gleichzeitig bahnten sich neue Beziehungen zwischen Moskau und Washington an, "die uns im Augenblick noch nicht absehen lassen, wie sich das alles entwickeln wird". Auf die Frage, ob er anders als der scheidende Bundespräsident Joachim Gauck zu Russlands Präsident Wladimir Putin reisen werde, sagte Steinmeier, dass "wir auch den Gesprächen mit den schwierigen Partnern nicht ausweichen können". Seine Aufgabe sei aber nicht, sich in die alltägliche Außenpolitik einzumischen.

Ähnlich äußerte sich Steinmeier in der ARD: "Selbstverständlich darf man sich den Gesprächsmöglichkeiten, wo sie sich bieten, nicht entziehen." Putin hatte Steinmeier kurz nach seiner Wahl gratuliert und ihn nach Moskau eingeladen. Laut einer Mitteilung des Kreml hofft Putin, dass der neue Bundespräsident zu einer produktiven deutsch-russischen Zusammenarbeit beitragen werde.

Künftiger Bundespräsident - "Wir brauchen Mut" Der SPD-Politiker Frank-Walter Steinmeier wurde am Sonntag von der Bundesversammlung im ersten Wahlgang mit absoluter Mehrheit gewählt. Als Thema seiner Dankesrede wählte er den Mut. © Foto: Fabrizio Bensch/Reuters

Trump als problematischer Gesprächspartner

Als problematischen Gesprächspartner sieht Steinmeier auch den US-Präsidenten Donald Trump, den er während des US-Wahlkampfs als "Hassprediger" bezeichnet hatte. Der gewählte Bundespräsident sagte im ZDF-Interview, er sei "wirklich erschrocken" über den Wahlkampf in den Vereinigten Staaten gewesen. Nach dem Einzug von Trump ins Weiße Haus seien "die Dinge aus meiner Sicht völlig offen", noch zeichne sich kein "außenpolitisches Konzept" der neuen US-Regierung ab.

"Das kann aber nicht bedeuten, dass wir deshalb das Gespräch verweigern", sagte Steinmeier. In der ARD erklärte er, er werde "mit aller Deutlichkeit" für das gemeinsame Wertefundament der transatlantischen Beziehungen werben. Dieses Gespräch werde "nicht leichter sein als viele andere mit anderen schwierigen Partnern."

Erste Reise nach Frankreich

Steinmeier verwies darauf, dass die erste Reise eines Bundespräsidenten traditionell nach Frankreich gehe. Allerdings müsse er sich angesichts des laufenden Wahlkampfes im Nachbarland erst mit den französischen Partnern abstimmen, wann dort ein Besuch passen würde.

Die Bundesversammlung hatte am frühen Nachmittag Steinmeier zum Bundespräsidenten gewählt. Der frühere Außenminister erhielt 931 der 1.239 abgegebenen gültigen Stimmen. Er wird Mitte März das Amt vom derzeitigen Bundespräsidenten Gauck übernehmen.