In der Debatte über höhere Militärausgaben und Aufrüstung hat der Wehrbeauftragte des Bundestags Forderungen zurückgewiesen, die allgemeine Wehrpflicht wiederzubeleben. "Angesichts der sicherheitspolitischen Lage ist die Wehrpflicht weder erforderlich noch schnell reaktivierbar", sagte Hans-Peter Bartels der Nachrichtenagentur dpa.

Angesichts drängender Forderungen Amerikas nach mehr Engagement der Bundeswehr in der Nato hatte der Reservistenverband eine Wiedereinführung der Wehrpflicht ins Spiel gebracht. Dabei geht es nicht nur um die Streitkräfte: Verbandspräsident Oswin Veith sprach sich in der Heilbronner Stimme für eine allgemeine Dienstpflicht für Männer wie Frauen aus, bei der man zwischen Wehr- und Ersatzdienst wählen kann. Denn auch in der Feuerwehr oder in der Pflege habe das Engagement spürbar abgenommen. Auch CDU-Sicherheitspolitiker Patrick Sensburg sprach sich für die Wiedereinführung der Wehrpflicht aus.

Die Wehrpflicht war 2011 nach 55 Jahren ausgesetzt worden. Seitdem sind die Streitkräfte von mehr als 200.000 auf derzeit 178.000 Soldaten geschrumpft. Die Bundeswehr muss nun wie andere Arbeitgeber verstärkt um Nachwuchs werben.

Die Wehrpflicht löst den Personalmangel nach Ansicht des Verteidigungsministeriums aber nicht. "Die Wiedereinführung der Wehrpflicht würde der Bundeswehr bei ihrer Suche nach geeignetem Personal nicht helfen", teilte eine Sprecherin mit. "Wir benötigen motiviertes und qualifiziertes Personal, das sich auch länger an die Bundeswehr bindet."

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen hatte am Dienstag verkündet, bis zum Jahr 2024 solle die Bundeswehr auf 198.000 Soldaten anwachsen. Das sind 5.000 Soldaten mehr im Vergleich zur Personalplanung vom Mai vergangenen Jahres, als die Zielmarke schon einmal von 185.000 auf rund 193.000 erhöht worden war.