Die CDU hält dem SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz unklare politische Positionen vor. "Kein Mensch weiß, wofür der Kandidat Schulz steht", sagte Generalsekretär Peter Tauber der Welt am Sonntag. "Die rot-grünen Länder verweigern sich bei Abschiebungen. Was sagt der Kandidat Schulz dazu?", fragte er. Sich bei Twitter und Facebook feiern zu lassen, ersetze kein Programm.

Auch Vizeparteichef Thomas Strobl sagte, Schulz müsse erst klarmachen, wofür er und wofür die SPD mit ihm steht. Die Ministerpräsidentin des Saarlandes, Annegret Kramp-Karrenbauer, sagte ein baldiges Ende des SPD-Höhenflugs in den Umfragen voraus. "Das war beim letzten Kanzlerkandidaten auch so. Insofern ist die Entwicklung nicht außergewöhnlich. Außergewöhnlich ist für mich nur das Ausmaß der Erleichterung über den Abgang von Sigmar Gabriel."

In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid für die Bild am Sonntag stieg die SPD auf ein Zehn-Jahres-Hoch. Im Sonntagstrend erreichte die Partei 32 Prozent und legte damit im Vergleich zur Vorwoche um drei Prozentpunkte zu. Diesen Wert hat Emnid für die SPD zuletzt im April 2006 gemessen. Die Partei konnte sich damit innerhalb von zwei Wochen um neun Prozentpunkte verbessern.

Der Abstand zu CDU/CSU schrumpft der Umfrage zufolge auf einen Zähler. Die Union liegt wie in der Vorwoche bei 33 Prozent. Ebenso unverändert sind die Linke mit acht Prozent und die FDP mit sechs Prozent. Dagegen verlieren die AfD (zehn Prozent) und die Grünen (sieben Prozent) je einen Zähler. Auf die sonstigen Parteien entfallen vier Prozent. In der Direktwahlfrage überholt SPD-Kandidat Martin Schulz die Amtsinhaberin Angela Merkel (CDU). Könnte der Bundeskanzler direkt gewählt werden, würden sich jetzt 46 Prozent der Befragten für Schulz entscheiden, für Merkel würden 40 Prozent votieren. In der Vorwoche hatte Merkel noch mit 41 Prozent knapp vor Schulz mit 38 Prozent gelegen.

"Die SPD ist zu sich selbst zurückgekehrt. Wir sind die Partei, die auf dem Weg zum Wahlsieg ist", sagte Schulz bei einem SPD-Empfang vor der Bundespräsidentenwahl an diesem Sonntag. Der scheidende Parteichef Sigmar Gabriel, der auf die Kanzlerkandidatur und den Vorsitz zugunsten von Schulz verzichtet hatte, sagte, die Bürger wollten keine Fortsetzung der großen Koalition. "Sie wollen etwas Neues." Die SPD sei dabei, dem Land neuen Schwung zu verleihen. Schulz sei jemand, "der diesen neuen Aufbruch symbolisiert".

SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann kritisierte zuvor Äußerungen von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) über Schulz. Ein Vergleich des SPD-Kanzlerkandidaten mit US-Präsident Donald Trump sei "hanebüchen und abwegig", sagte Oppermann. "Wenn ein intelligenter Mann wie Herr Schäuble so etwas sagt, dann zeigt das, dass die Not bei der Union groß ist. Aber Not ist kein guter Ratgeber." Schulz sei ein leidenschaftlicher Demokrat und Europäer, Trump gefährde hingegen die amerikanische Demokratie und wolle Europa spalten.

Schäuble hatte dem Spiegel unter anderem gesagt: "Wenn Schulz seine Unterstützer 'Make Europe great again' rufen lässt, dann ist das fast wortwörtlich Trump." SPD-Chef Sigmar Gabriel sagte, er könne nur raten, keinen Wahlkampf wie in den USA mit Böswilligkeit und Unterstellungen zu führen. "Herr Schäuble hat leider ein schlechtes Beispiel geliefert."