In Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz haben Ermittler vier Wohnungen von Geistlichen der türkisch-islamischen Union Ditib durchsucht. Die Razzia steht im Zusammenhang mit den Spitzel-Vorwürfen gegen Ditib-Imame, teilte der Generalbundesanwalt mit

Beteiligt waren demnach Beamte des Bundeskriminalamts sowie der Landeskriminalämter von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Ziel der Durchsuchungen sei es gewesen, weitere Beweise für den Spionageverdacht zu finden. Das sichergestellte Material, darunter Kommunikationsmittel, Datenträger und schriftliche Unterlagen, werde nun ausgewertet. Festnahmen gab es einem Sprecher zufolge nicht.

Spiegel Online hatte berichtet, die Polizeiaktion gegen Ditib sei eigentlich schon für Ende Januar geplant gewesen. Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft sagte auf Anfrage, damals seien auch Haftbefehle beantragt worden. Der Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs (BGH) sehe bislang aber nicht den dafür notwendigen dringenden Tatverdacht.

Ditib-Imame sollen der türkischen Religionsbehörde Diyanet in Deutschland lebende Anhänger der Gülen-Bewegung gemeldet haben. Die türkische Regierung macht Gülen-Anhänger für den gescheiterten Putschversuch im vergangenen Sommer verantwortlich.  

Ditib hatte unlängst bestätigt, dass Imame des Verbands Informationen über Anhänger des in der Türkei als Staatsfeind gesuchten Predigers Fethullah Gülen nach Ankara geschickt hatten. Der Verband sprach von einem Versehen. Die Bundesanwaltschaft leitete daraufhin ein Ermittlungsverfahren ein.

Ditib werden rund 900 Moscheegemeinden in Deutschland zugerechnet, die vorwiegend von Muslimen mit türkischen Wurzeln besucht werden. Der Verband ist eng mit der staatlichen türkischen Religionsbehörde Diyanet verwoben, die der Regierung in Ankara untersteht.