ZEIT ONLINE: Wie groß der Anteil an Tweets und Bots im US-Wahlkampf war, wurde untersucht. Aber Forscher zweifeln, ob solch automatisierte und falsche Nachrichten wirklich die Wahlentscheidung der Menschen beeinflusst haben.

Barley: Es geht nicht nur um die Auswirkung auf die Prozentzahlen am Wahlabend, sondern um die Auswirkung auf die politische Kultur. Klar, Wahlkampf in den USA funktioniert anders als hier. Aber soll man solche Entwicklungen einfach laufen lassen und nichts tun? Ich will eine solche Entwicklung hier nicht. Was da zum Teil an Lügen verbreitet wurde, ist aberwitzig. Das kann man nicht hinnehmen.

ZEIT ONLINE: Hat die SPD-Zentrale denn bereits Erfahrungen mit Fake-News gemacht?

Barley: Wir werden regelmäßig mit absurden Vorwürfen überzogen, die nicht belegt sind. Wie die Behauptung, dass wir Demonstranten bezahlen. Oder linksradikale Schläger finanzieren. Das gehört übrigens noch zu den harmloseren Lügen.

ZEIT ONLINE: Ist Ihre Zentrale gegen potenzielle Hacks gerüstet?

Barley: Natürlich sind wir technisch auf dem neusten Stand und arbeiten intensiv mit den Behörden zusammen.

ZEIT ONLINE: 2015 wurden 16 Gigabyte Daten aus dem Bundestag von Hackern abgezogen, darunter E-Mail-Kommunikation von Abgeordneten und ihren Mitarbeitern. Haben Sie Angst, dass da noch Enthüllungen kommen könnten im Wahlkampf – ähnlich wie es bei den US-Demokraten der Fall war?

Barley: Wer weiß, wer sich wann bereits irgendwo reingehackt hat. Mit der Unsicherheit müssen wir leben. Man kann sich technisch so rüsten, wie es dem Stand der Kenntnisse entspricht. Aber es ist so wie beim Doping: Die Mistkerle sind einem meistens einen Schritt voraus.

ZEIT ONLINE: Glauben Sie denn, dass es eine aus Russland gesteuerte Desinformationskampagne gibt?

Barley: Ich will hier nicht spekulieren. Es gibt einzelne Verwirrte und Kriminelle, aber ich kann auch nicht ausschließen, dass manches organisiert ist, auch aus dem Ausland.