Die Bundeswehr soll mit neuen Standardgewehren ausgerüstet werden und sucht dafür einen Hersteller. Im ersten Halbjahr 2017 erfolge voraussichtlich die Ausschreibung für den Auftrag, teilte das Bundesverteidigungsministerium mit. Eigentlich war der Start dafür bereits für Ende 2016 geplant. Wegen sorgfältiger Vorbereitung auf das Vergabeverfahren sei eine "Anpassung der internen Zeitlinie" notwendig gewesen.

Seit Jahrzehnten war das Modell G36 des schwäbischen Herstellers Heckler & Koch das Standardgewehr der Bundeswehr. Dieses hatte jedoch nicht den von der Bundeswehr gewünschten Standards entsprochen. In einem Gutachten waren Präzisionsprobleme bei Dauerfeuer festgestellt worden. In Labortests sank die Trefferquote bei einer Temperaturveränderung um 30 Grad auf nur sieben Prozent. Gefordert werden von der Bundeswehr 90 Prozent. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte im August 2015 schließlich entschieden, das G36 auszumustern.

Eine Klage gegen den Hersteller Heckler & Koch (H&K) vor dem Koblenzer Landgericht verlor das Verteidigungsministerium 2016 jedoch. Gemessen an den vertraglichen Anforderungen habe die Waffe keine Mängel, urteilten die Richter. Trotzdem soll das Gewehr als Standardwaffe abgelöst werden.

Mehrere Firmen wollen sich auf die Ausschreibung bewerben. Die Firmen Sig Sauer sowie Rheinmetall in Zusammenarbeit mit Steyr Mannlicher bekundeten vor Kurzem, den Großauftrag des Bundesverteidigungsministeriums bekommen zu wollen.

Auch Heckler & Koch will sich wieder bewerben: "Natürlich werden wir uns an der Ausschreibung beteiligen – Sturmgewehre sind unser Kerngeschäft", sagt Firmenchef Norbert Scheuch. Auf einer Waffenschau in Las Vegas stellte das Unternehmen vor Kurzem den potenziellen Nachfolger vor.

Dass sein Unternehmen durch die Klage des Verteidigungsministeriums um das G36 schlechtere Chancen auf den Auftrag habe, sieht Firmenchef Scheuch nicht. "Das Beschaffungswesen der Bundeswehr ist groß, vielfältig und professionell organisiert – Nachteile durch persönliche Meinungen Einzelner, die involviert sind, drohen da nicht", sagt Firmenchef Scheuch.


Mit einer Entscheidung, wer den Zuschlag bekommt, wird frühestens 2018 gerechnet. 2020 sollen die ersten neuen Gewehre ausgeliefert werden, 2026 soll die Auslieferung abgeschlossen sein. Ursprünglich war 2019 als mögliches Startjahr genannt worden.