So viel Polizeipräsenz sieht das kleine Homburg selten: An diesem Abend schaut AfD-Chefin Frauke Petry als Rednerin beim saarländischen Parteiableger vorbei. Sie will um Stimmen für die Landtagswahl am Sonntag werben. "Unser Deutschland, unsere Heimat. Du mein Deutschland", plakatiert die AfD Saar. Allerdings haben sich auch die Gegner der Partei auf den vorläufigen Wahlkampfhöhepunkt der Rechtspopulisten in der Universitätsstadt im Südwesten vorbereitet. 

Sie demonstrieren vor der Veranstaltungshalle. Drinnen gibt es sorgenvolle Taschenkontrollen. Security bewacht die Zugangstüren zum Rednersaal. AfD-Plakate, berichtet die Partei außerdem verägert auf ihrer Homepage, seien mit der Behauptung überklebt worden, die Veranstaltung sei abgesagt. Das sei falsch. Man sehe sich in diesem Wahlkampf mit einer "nie dagewesenen und offenbar gut organisierten Zerstörungswelle konfrontiert." 

Die Zerstörungsgedanken kamen allerdings nicht nur vom politischen Gegner. Denn die AfD Saar ist eine besonders umstrittene Truppe: Wegen vermutlich rechtsextremer Tendenzen hatte die Berliner Parteiführung den Landesverband sogar auflösen wollen.

Vorstand will keine Höcke-Probleme mehr

Vor genau einem Jahr leitete der Bundesvorstand gegen den etwa 320 Mitglieder kleinen Saar-Landesverband ein Verfahren wegen Verstößen "gegen die innere Ordnung der Partei" ein – ein äußerst seltener Vorgang. Der Vorwurf: Die Landesspitze um den 78-jährigen Josef Dörr und seinen 30 Jahre jüngeren Vize Lutz Hecker sollen Verbindungen ins rechtsextreme Spektrum gepflegt haben.

Dörr und seine Mitstreiter sollen versucht haben, Mitglieder der Freien Bürger Union, einer Kleinpartei, die der NPD nahe steht, für die AfD zu gewinnen, wie der stern berichtete. Demnach hatte Dörr auch Kontakt zu der Rechtsextremistin Ulrike Reinhard aus Kaiserslautern, die ihm in einer E-Mail schrieb, sie habe Mitglieder der NPD und der FBU animiert, "zu Ihrer Veranstaltung zu kommen". Und als NPD-Landeschef Peter Marx auf einer AfD-Parteiveranstaltung in Saarbrücken-Dudweiler das Wort ergriff, soll Dörr den Organisatoren bedeutet haben, dass dies schon in Ordnung sei.

Das gefiel dem AfD-Bundesvorstand überhaupt nicht: Nach den Erfahrungen mit dem Thüringer Landes- und Fraktionschef Björn Höcke wollte er weiteren Imageschäden für die eigene Partei vermeiden.

Dörr könnte Alterspräsident werden

Die Saarländer behaupteten zwar, die Kontaktversuche seien von der anderen Seite ausgegangen, nicht von der AfD. Doch die Ausschlussentscheidung des Bundesvorstandes fußte auf einem juristischen Gutachten. Dessen Autoren waren zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Rauswurf einzelner Mitglieder nicht ausreichen würde, um die Saar-AfD vor dem Wegdriften nach ganz Rechtsaußen zu bewahren. Der gesamte Landesverband müsse weg.

Der Plan des Bundesvorstands, gestützt durch eine Abstimmung des AfD-Bundesparteitags, ging allerdings nicht auf. Er unterlag dem Bundesschiedsgericht der AfD. Auch der AfD-Landesparteitag sprach Landeschef Dörr und seinem Vize Hecker das Vertrauen aus, mit großer Mehrheit.

Und so haben die Patrioten von der Saar ganz gute Chancen am Sonntag, in den Landtag einzuziehen. Umfragen sahen sie zuletzt um die sechs Prozent, kein Spitzenergebnis, aber genug, um "den Marsch durch die Institutionen" zu beginnen, den die AfD nach eigenen Angaben vorhat. Der umstrittene Landesvorsitzende und Landtagskandidat Dörr würde in einem solchen Fall Alterspräsident und dürfte die erste Rede zu Beginn der neuen Legislaturperiode halten – ein Szenario, das den anderen Parteien graut.

Landtagswahlen - Das Saarland als Testfeld Am 26. März wird im Saarland gewählt. Kommt es zur Wiederauflage der großen Koalition und welche Bedeutung haben die Wahlen für den Bund? © Foto: Sean Gallup/Getty Images