Die Chefin des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) plädiert für einen Gesetzentwurf, der ihrer Behörde das Auslesen von Handydaten erlauben würde. "Das könnte uns bei Antragstellern ohne Pass helfen, Identität und Herkunft festzustellen", sagte Jutta Cordt der Rheinischen Post. "Mit diesen Daten wäre es auch leichter zu beurteilen, ob die Antragsteller tatsächlich einen Asylgrund haben. Das würde unsere Arbeit unterstützen."

Das Bundeskabinett hatte im Februar das Gesetz zum Datenauslesen von Handys verabschiedet. Das Innenministerium schätzt, dass im Jahr 2016 bei 50 bis 60 Prozent der Asylsuchenden das Auslesen eines Datenträgers in Betracht gekommen wäre. Das entspricht etwa 150.000 Menschen.  

Auf Mobiltelefone und andere Datenträger zuzugreifen, ist den Ausländerbehörden zwar seit der Aufenthaltsnovelle von 2015 prinzipiell erlaubt; das Bamf war dabei bislang aber auf die Einwilligung der Asylsuchenden angewiesen. Die Diskussion um eine verschärfte Überprüfung von Identitäten ist unter anderem vom Fall Anis Amri geprägt, der im Dezember zwölf Menschen auf einem Berliner Weihnachtsmarkt tötete. Amri hatte bei deutschen Behörden 14 verschiedene Identitäten angegeben.

Der Bundestag berät zurzeit über das Gesetz. Datenschützer sind strikt dagegen. Sie bezweifeln etwa, dass dieser Eingriff mit der Verfassung übereinstimmt.  

435.000 Altverfahren abbauen

Cordt kündigte in dem Interview auch an, die Asylbewerber-Altfälle bis Ende des Frühjahrs "weitestgehend" abzubauen. "Wir haben in dieses Jahr noch 435.000 Altverfahren aus den Vorjahren mitgenommen. Unser Ziel ist es, diesen Menschen bis zum Ende des Frühjahrs Gewissheit zu geben, ob sie bleiben können oder nicht", sagte sie. "Das heißt, wir wollen den Bestand aus den Vorjahren weitestgehend abbauen, und zwar auf rund 100.000. Und hier sind wir auf einem guten Weg."

In diesem Jahr habe es bis Anfang März 34.000 Neuankömmlinge gegeben. "Bei den Menschen, die jetzt kommen, dauert es aktuell von der Antragstellung bis zur Entscheidung rund drei Monate", sagte Cordt. Ziel sei es, auch in der Zukunft alle Neuverfahren innerhalb von drei Monaten abzuschließen.