Unbekannte Hacker haben im Februar offenbar erneut versucht, in das Netz des Bundestages einzudringen. Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung sind mindestens zehn Abgeordnetenbüros und alle im Bundestag vertretenen Fraktionen betroffen. Sowohl das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) als auch das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) hätten den Angriff bestätigt, berichtet das Blatt. Die IT-Abteilung des Bundestages habe den neuen Angriff jedoch abwehren können.

Ein Sprecher des BSI teilte laut Süddeutscher Zeitung Anfang Februar mit, dass die Behörde "aufgrund von Auffälligkeiten im Netzwerkverkehr" im engen Austausch mit dem Bundestag stehe. Der Angriff sei aufgrund eines Hinweises des BfV entdeckt worden. Von den Rechnern aus wurde den Angaben zufolge versucht, Kontakt zu einer "potenziell schadhaften" Website aufzunehmen. Diese Verbindung wurde zur Sicherheit blockiert.

Ziel war unter anderem die Abgeordnete Marieluise Beck. Die Grünenpolitikerin sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass im Februar der Rechner einer Mitarbeiterin abgestürzt sei und die Verwaltung anschließend von auffälligen Serverbewegungen berichtet habe. Demnach seien alle Rechner befallen gewesen, die auf eine bestimmte ausländische Nachrichtenseite zugegriffen hätten. Beck war bereits im Februar 2014 Ziel eines Hackerangriffs geworden.

Damals hatte es sich offenbar um Hacker gehandelt, die im russischen Staatsauftrag agierten. Beck hatte in der Vergangenheit immer wieder die russische Regierung kritisiert. Sie hält auch Kontakt zu russischen Dissidenten. Diesmal gehe sie allerdings nicht davon aus, dass der russische Staat etwas mit den Angriffen zu tun habe, sagte sie. Schließlich seien auch andere Abgeordnete betroffen gewesen.

Ihr sei von den Verantwortlichen gesagt worden, dass man auf Serververbindungen zu einer israelischen Nachrichtenseite gestoßen sei, sagte Beck. Auch einer ihrer Mitarbeiter habe diese Seite aufgerufen. Es sei aber unklar, ob die echte Website besucht worden sei oder eine gefälschte Version, über die Schadsoftware auf den Computer geladen wurde.

Der Bundestag insgesamt war im Sommer 2015 Ziel eines Angriffs. Damals war es einer mutmaßlich russischen Hackergruppe gelungen, 16 Gigabyte an Daten aus dem Netzwerk auszuleiten. Anschließend mussten Server und Netzwerke mehrere Tage lang für Reparaturarbeiten abgeschaltet werden. Dass der jetzige Angriff entdeckt wurde, hängt auch mit den Lehren zusammen, die man aus diesem früheren Vorfall gezogen hat. Seither greift der Bundestag auf Listen zurück, die das BSI erstellt und über die ein Zugang zu schadhaften Websites blockiert wird.