Das Bundesverteidigungsministerium hat den früheren Leiter des Kriminologischen Instituts in Niedersachsen, Christian Pfeiffer, beauftragt, die Hintergründe sexueller Übergriffe und Misshandlungen bei der Bundeswehr zu untersuchen. Das berichten unter anderen der Tagesspiegel und die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf eine Unterrichtung des Verteidigungsausschusses durch Generalinspekteur Volker Wieker.

Anlass für die Untersuchung sind Misshandlungsvorwürfe gegen Ausbilder in einer Bundeswehrkaserne in Pfullendorf. Nach einem Bericht des Spiegels waren in der Kaserne offenbar "sexuell-sadistische Praktiken" bei der Ausbildung von Kampfsanitätern an der Tagesordnung. Zudem habe es "abstoßende Gewaltrituale unter Wachsoldaten" in der Kaserne gegeben.

Der Kriminologe Pfeiffer soll nach dem Willen der Bundeswehr nun vorhandene Daten analysieren, mögliche Schwachstellen identifizieren und helfen, Vorschläge zur Schulung und Weiterbildung von Fachpersonal zu entwickeln. Laut Tagesspiegel sieht der Generalinspekteur bei den Vorkommnissen klare Führungs- und Kommunikationsdefizite: "Sachorientierte Führung, klare Kommunikationsstrukturen und ein kameradschaftlicher Umgang wurden in Teilen durch informelle Strukturen und übersteigerten Korpsgeist untergraben", zitiert das Blatt Wieker.

Die Linkenpolitikerin Christine Buchholz, die ihre Partei im Verteidigungsausschuss vertritt, begrüßte den Auftrag an Pfeiffer. Allerdings ändere dies am Grundproblem nichts, sagte sie dem Tagesspiegel. Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) versuche, den Blick auf die Verbesserung von Führungsstrukturen zu lenken, damit sie nicht über die Ausrichtung der Streitkräfte reden müsse, sagte Buchholz.

Für sie seien die Vorgänge in Pfullendorf und Bad Reichenhall keine Betriebsunfälle, sondern Symptom. "Es ist eine Illusion, zu glauben, man kann die Bundeswehr in immer mehr Einsätze schicken, ohne dass dies die Menschen und die Organisation im Innern verändert. Die Verrohung beginnt nicht erst im Krieg, sondern offenbar bereits in der Vorbereitung darauf." Die Grünenabgeordnete Agnieszka Brugger forderte in der SZ "entschlossene Maßnahmen zur Stärkung der inneren Führung".