Die Union versucht sich nach der Wahl von Martin Schulz zum SPD-Vorsitzenden und dem Erfolg der Sozialdemokraten in Umfragen neu zu positionieren. CSU-Chef Horst Seehofer forderte von den Schwesterparteien, an ihrer Form zu arbeiten.

Derzeit zeige sich, "dass die Sozialdemokratie nach vielen Jahren der Lähmung sehr motiviert und in Schwung ist", sagte Seehofer der Süddeutschen Zeitung. Die 100 Prozent Zustimmung für SPD-Chef Martin Schulz auf dem Parteitag vom Wochenende bezeichnete Seehofer als "außergewöhnliches Ereignis". Diesen Mittwoch sei ein Treffen der Unionsspitze mit Seehofer und Merkel zu Terminabsprachen, gemeinsamen Inhalten und offenen Gesetzesvorhaben geplant. "Nach den Landtagswahlen werden wir dann durchstarten", sagte der CSU-Vorsitzende.

Der bayerische Finanzminister Markus Söder (CSU) sagte dem Handelsblatt, es sei an der Zeit, "der SPD etwas entgegenzusetzen". Die Union müsse kämpfen. Man werde "diesen Wahlkampf nicht im Stil einer Bilanzpressekonferenz gewinnen", sagte Söder. "Es braucht auch Emotionen."

SPD - "Der trifft einfach den Nerv der Zeit" Die SPD wirkt fast berauscht von Martin Schulz. Was erwarten Parteimitglieder von ihm und welche Fehler sollte er besser nicht machen? © Foto: Zeit Online

Dem stellvertretenden CDU-Vorsitzenden Armin Laschet zufolge muss die Union die eigene Strategie mit Blick auf die Bundestagswahl nicht verändern. "Je klarer die Programmatik von Herrn Schulz wird, desto größer wird auch die Mobilisierung zu unseren Gunsten ausfallen", sagte Laschet der Saarbrücker Zeitung. In einer Zeit, in der Menschen Sicherheit und Seriosität wollen, komme die "ruhige, sachliche und besonnene Art der Kanzlerin besser an", sagte Laschet.

Der CDU-Wirtschaftsexperte Carsten Linnemann hingegen rät der Union, stärker auf die Zukunftsängste der Menschen einzugehen. "Egal, ob solche Ängste real sind oder nicht: Die Politik muss diese Sorgen aufnehmen", sagte der Chef der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der Union. Schulz tue dies, aber er packe das Problem nicht an der Wurzel. 

"Die drei zentralen Fragen für die Zukunft sind: Ist mein Leben sicher, ist mein Arbeitsplatz sicher und ist mein Geld sicher?", sagte Linnemann. Die Union habe hier die besten Argumente auf ihrer Seite, "aber beim Bürger ist das noch nicht angekommen". Viele Menschen würden bei den Themen Globalisierung und Digitalisierung nicht an die "schöne neue Welt" denken.

Der stellvertretende CSU-Vorsitzende Manfred Weber hat Schulz' Ankündigung kritisiert, trotz seiner Wahl als SPD-Vorsitzender nicht am Koalitionsausschuss am nächsten Mittwoch teilzunehmen. "Wenn Herr Schulz von Respekt spricht, sollte er auch Respekt gegenüber den anderen Parteivorsitzenden der großen Koalition zeigen und am Koalitionsausschuss teilnehmen", sagte Weber der Rheinischen Post.

SPD legt bei Jungwählern deutlich zu

Die SPD hat ihre Zustimmungswerte bei Wählern unter 30 Jahren einer Umfrage zufolge seit Jahresbeginn um mehr als ein Drittel gesteigert. Keine andere Partei habe in dieser Altersgruppe so deutlich zugelegt, ergab der Wahltrend von Spiegel Online in Zusammenarbeit mit dem Umfrageinstitut Civey. Der Erhebung zufolge würden aktuell 38 Prozent der 18- bis 29-Jährigen für die SPD stimmen. Zum Vergleich: Ende Januar sprachen sich der Onlineumfrage zufolge aus dieser Altersgruppe 23,3 Prozent für die SPD aus.

Für die Umfrage wurden im Zeitraum vom 16. Januar bis 20. März mindestens 5.000 Menschen befragt. Der Fehlerbereich lag bei 2,5 Prozentpunkten. Die Projektionen für den Zuspruch können also entsprechend nach oben oder unten abweichen.

Die Juso-Vorsitzende Johanna Uekermann sagte dem Spiegel, Schulz sei ein idealer Botschafter für Europa- und Gerechtigkeitsthemen: "Sigmar Gabriel war verhaftet im Konsens der großen Koalition, Martin Schulz steht für Aufbruch."

Die SPD liegt in der jüngsten Meinungsumfrage des Instituts Insa im Auftrag der Bild bundesweit mit 32 zu 31 Prozent knapp vor der Union. Die Sozialdemokraten legten im Vergleich zur Vorwoche um einen Punkt zu, CDU/CSU blieben in der Wählergunst unverändert.