Die doppelte Staatsbürgerschaft wird zum Wahlkampfthema bei der CDU. Das gegenwärtige Staatsangehörigkeitsrecht müsse reformiert werden, heißt es in einem Papier des Netzwerks Integration der CDU, aus dem der Spiegel zitiert und das demnach ins Wahlprogramm der Partei mit einfließen solle. Bei Einwanderern der zweiten und dritten Generation, die in Deutschland geboren und aufgewachsen seien, sei ein klares Signal für die Einstaatigkeit geboten. "Wir müssen die Politik der Ausnahmeregeln weitgehend beenden", sagte die CDU-Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des Netzwerks Cemile Giousouf. 

In dem Papier wird der sogenannte Generationenschnitt vorgeschlagen. Demnach würden hier geborene Kinder von Einwanderern die doppelte Staatsbürgerschaft erhalten. Für die Enkel wäre Schluss – wer seinen Lebensmittelpunkt in Deutschland hat, soll nur noch den deutschen Pass bekommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist laut Spiegel bereit, eine entsprechende Regelung mitzutragen. Als der CDU-Parteitag im Dezember eine Abkehr von der Regelung zur doppelten Staatsbürgerschaft beschlossen hatte, lehnte es Merkel noch ab, der Linie der Partei zu folgen.

Das Modell Generationenschnitt hatte der stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion der Union, Stephan Harbarth, bereits Mitte März in der Stuttgarter Zeitung propagiert: "Der Doppelpass darf nicht die Regel sein, sondern er muss die Ausnahme bleiben", sagte der CDU-Politiker. "Wir könnten den Schnitt so ausgestalten, dass nicht bereits die erste in Deutschland geborene, wohl aber die zweite Generation für eine der beiden Staatsangehörigkeiten optieren muss", sagte Harbarth. Spätestens von der Enkelgeneration werde man ein eindeutiges Bekenntnis verlangen müssen und auch verlangen können. 

Die CSU will dagegen eine vollständige Rückkehr zur Optionspflicht, wonach sich in Deutschland geborene Kinder von Zuwanderern aus Nicht-EU-Staaten wie der Türkei mit 23 Jahren für einen Pass entscheiden müssen. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Rückkehr zur Optionspflicht in unserem Bayernplan stehen wird", sagte Parteisprecher Jürgen Fischer. Dies hatte auch der CDU-Parteitag im Dezember beschlossen, was aber auf Kritik der Parteivorsitzenden gestoßen war.

SPD-Generalsekretärin Katarina Barley will dagegen die doppelte Staatsbürgerschaft in der kommenden Legislaturperiode ausweiten. Es gehe um Millionen Menschen mit ganz unterschiedlichen Wurzeln, sagte sie, man könne sie nicht zwingen, sich für einen Pass zu entscheiden. "Es wäre das Gegenteil von Integration. Wer das will, hat kein Gespür für diese Menschen", sagte sie.