Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat vor der rechtsextremen Identitären Bewegung (IB) in Deutschland gewarnt. Im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise habe das Bundesamt bei der IB eine zunehmende Radikalisierung festgestellt, sagte Amtschef Hans-Georg Maaßen den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Ihre fremdenfeindliche Agitation sei besonders gegen Muslime ausgerichtet.

Der Verfassungsschutz wisse von Kontakten der IB mit rechtsextremistischen Personen oder Gruppierungen, sagte Maaßen. Die Beamten sehen außerdem Verbindungen zwischen den Identitären und der AfD. So würden Anhänger der Bewegungen an AfD-Veranstaltungen teilnehmen oder hätten Kontakte zu AfD-Mitgliedern.

Die IB habe sich sehr schnell von einem virtuellen Phänomen zu einer aktionistisch geprägten Organisation mit öffentlichkeitswirksamen Auftritten entwickelt, sagte Maaßen. Es seien auch künftig "spontane, provokative Aktionen" zu erwarten, die sich gegen politische Parteien, Moscheen und islamische Kulturvereine oder Asylbewerberunterkünfte richten könnten.

Die Gruppierung fällt vor allem dadurch auf, dass ihre Aktivisten für kurze Zeit Gebäude besetzen, dort ihre Fahnen schwenken und Bilder davon anschließend im Internet verbreiten. In ihren Parolen argumentieren sie gegen Flüchtlinge, gegen Einwanderung und gegen Muslime und fordern, Grenzen zu schließen.

Das Bundesamt beobachte die Gruppierung und zähle derzeit mindestens 300 Mitglieder in Deutschland, von denen jedoch nur eine Minderheit regelmäßig an öffentlichen Aktionen teilnehme, sagte Maaßen. Bei den meisten handle es sich um Fördermitglieder, die nur Mitgliedsbeiträge entrichten. Die IB selbst gibt laut Bericht die Mitgliederzahl in Deutschland mit mehr als 500 Personen an. Die ursprünglich aus Frankreich stammende IB ist seit 2012 auch in Deutschland aktiv.