Die Juso-Vorsitzende Johanna Uekermann hat sich für ein Wahlrecht ab der Geburt ausgesprochen. Jeder, der unter 18 Jahre alt sei, solle dann wählen können, wenn er sich für die Wahlen registriere, schlug sie in der Tageszeitung Neues Deutschland vor. "Der Weg zum allgemeinen Wahlrecht war lang. Wir sollten ihn jetzt zu Ende gehen, die Diskriminierung von Kindern und Jugendlichen beenden und das Wahlalter auf null festlegen", schrieb die Vorsitzende der SPD-Nachwuchsorganisation in einem Gastbeitrag.

Ein Familienwahlrecht, bei dem Eltern treuhänderisch für ihre Kinder abstimmen können, lehnte Uekermann allerdings ab. Das würde das Prinzip unterwandern, dass jede Wählerstimme das gleiche Gewicht hat. "Es wäre vor allem kein Beitrag, um die Selbstbestimmung von Kindern und Jugendlichen zu stärken." Wie sie bei einem Wahlrecht ab Geburt gewährleisten will, dass Eltern nicht doch auf die Wahl ihrer Kinder Einfluss nehmen, schrieb sie nicht.

Die Juso-Chefin begründet ihren Vorschlag damit, dass die Interessen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsene besser vertreten werden müssen. "Ist heute noch ein Fünftel der Wähler im Rentenalter, wird es 2050 ein Drittel sein. Junge Menschen werden es also zunehmend schwerer haben, sich Gehör zu verschaffen", schreibt sie. 

Sie hätten ein Recht darauf, über ihr Leben zu bestimmen und ihr Umfeld mitzugestalten. Das müsse auch auf Bundesebene möglich sein. Als Beispiel für Politik, die Jugendliche konkret betreffen, nannte sie Ausnahmen für Minderjährige beim Mindestlohn, die die Große Koalition beschlossen habe.

Im vergangenen November hatten die Jusos bereits gefordert, das Wahlalter für die Bundestagswahl auf 16 zu senken. Mit diesen Plänen gehen die SPD und die Grünen mittlerweile in den Wahlkampf.  

Zurzeit können unter 18-Jährige in Deutschland nur auf Kommunalebene und teilweise auf Landesebene wählen. In Niedersachsen, Baden-Württemberg, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein gibt es bei der Kommunalwahl ein Wahlrecht ab 16 Jahren. In Brandenburg, Hamburg, Schleswig-Holstein und Bremen auch bei der Landtagswahl.