Die Wahl von Martin Schulz zum SPD-Parteichef und -kanzlerkandidaten hat bei seinen politischen Gegnern unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. CDU-Generalsekretär Peter Tauber hielt Schulz vor, Antworten schuldig zu bleiben. "Kandidat Schulz bleibt inhaltlich wie immer unkonkret", sagte Tauber am Montag im ARD-Morgenmagazin. Während die Union Regierungsverantwortung wahrnehme, mache die SPD "Show". Ihn störe sehr, dass der SPD-Kanzlerkandidat das Land schlechtrede. Vieles laufe im Vergleich zum Ende der rot-grünen Regierungszeit 2005 "sehr gut", sagte Tauber.

Die FDP kritisierte dagegen die ablehnende Haltung des SPD-Chefs zu Steuersenkungen. "Die Mittelschicht hat von Herrn Schulz nichts zu erwarten außer der alten, linken Leier", sagte Parteichef Christian Lindner. "Angesichts von Rekordeinnahmen und Niedrigzinsen das Bild des unterfinanzierten Staats zu malen, offenbart eine finanzpolitische Maßlosigkeit."

Grünen-Chef Cem Özdemir sagte, der Erfolg des Kandidaten gehe mit der Hoffnung vieler einher, "nach der Bundestagswahl einen echten Wandel zu gestalten". Eine Koalition mit SPD und Linken sei eine Möglichkeit für die Grünen, in die Regierung zu kommen. "Nichts weniger steht zur Zeit auf dem Spiel und da ist uns das Gemeinsame näher als das Trennende", teilte Özdemir gemeinsam mit Co-Spitzenkandidatin  Katrin Göring-Eckardt mit. Bei Klimaschutz, Kohlepolitik und Landwirtschaft werde man allerdings "kräftig" mit Schulz streiten.

SPD - "Der trifft einfach den Nerv der Zeit" Die SPD wirkt fast berauscht von Martin Schulz. Was erwarten Parteimitglieder von ihm und welche Fehler sollte er besser nicht machen? © Foto: Zeit Online

Linksfraktionschef Dietmar Bartsch verlangte von Schulz eine Absage an eine weitere große Koalition. "Ich fordere Martin Schulz auf, klar zu sagen, dass er nicht in ein Kabinett Merkel geht", sagte Bartsch der Rheinischen Post. Auffällig an dessen Parteitagsrede seien vor allem "die Leerstellen" gewesen, kritisierte Linken-Chefin Katja Kipping in der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Seit der Nominierung von Schulz haben sich die Umfragewerte der SPD deutlich verbessert. Die Sozialdemokraten liegen inzwischen wieder auf Augenhöhe mit der Union oberhalb von 30 Prozent. Der neue SPD-Chef setzt im Wahlkampf vor allem auf Gerechtigkeitsthemen, unter anderem strebt er Korrekturen an den arbeitsmarktpolitischen Reformen der Agenda 2010 an.