Im Saarland hat die Landtagswahl begonnen. Ein halbes Jahr vor der Bundestagswahl sind rund 800.000 Bürger aufgerufen, über die Zusammensetzung eines neuen Landtags zu entscheiden. Mit Spannung wird erwartet, ob SPD und Linkspartei an der Saar genug Stimmen auf sich vereinen können, um die große Koalition unter CDU-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer ablösen zu können. Sollte es zu einem Regierungswechsel kommen, würde die CDU im Westen nur noch in Hessen den Regierungschef stellen.

CDU-Spitzenkandidatin Kramp-Karrenbauer will die Koalition mit den Sozialdemokraten weitere fünf Jahre fortsetzen. Ihre SPD-Herausforderin, die amtierende Landeswirtschaftsministerin Anke Rehlinger, wollte sich dagegen in der Koalitionsfrage vor der Wahl nicht festlegen. Denkbar ist deshalb, dass es im Saarland zum ersten rot-roten Bündnis in einem westdeutschen Bundesland kommt – und Linken-Spitzenkandidat Oskar Lafontaine nach langer Zeit wieder ein Regierungsamt übernehmen könnte.

Nach Ansicht des SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hätte ein rot-rot-grünes Bündnis allerdings keinerlei Bedeutung für die Bundestagswahl. "Wir kämpfen nur für unsere eigene Stärke. Im Saarland gilt dasselbe wie im Bund: Wir wollen stärkste Partei werden. Wer danach mit uns regieren will, ist herzlich eingeladen, auf uns zuzukommen", sagte Schulz der Bild am Sonntag. Die SPD wolle im Saarland stärkste Kraft werden. "Wir kämpfen bis zur letzten Minute. Ich bin sehr zuversichtlich."

Letzte Umfragen sagen ein eher knappes Rennen voraus. Dem aktuellen ZDF-Politbarometer zufolge käme die CDU auf 37 Prozent, die SPD auf 32, die Linke auf 12,5, die Grünen auf 4,5 und die AfD auf sechs Prozent. Die FDP würde der Prognose zufolge mit vier Prozent an der Fünfprozenthürde scheitern. Die anderen Parteien, darunter auch die Piraten, kämen zusammen auf vier Prozent und würden damit nicht in den Landtag einziehen.

An der Saar wird die AfD voraussichtlich also in den bundesweit elften Landtag einziehen. Zugleich hoffen Grüne und FDP darauf, den Sprung über die Fünfprozenthürde tatsächlich zu schaffen und damit die erste Pleite im Wahljahr zu verhindern.

Die Wahl im kleinsten Flächenland der Bundesrepublik ist der Startschuss für das Wahljahr 2017, das am 24. September mit der Bundestagswahl endet. Die Abstimmung ist aber auch die erste Bewährungsprobe für die SPD und ihren neuen Parteichef und Kanzlerkandidaten Martin Schulz. Seit seiner Ernennung haben die Sozialdemokraten auch im Saarland in den Umfragen deutlich zugelegt und so die Konkurrenz von der CDU, die lange wie der sichere Sieger dieser Landtagswahl aussah, in Bedrängnis gebracht.

Zur Wahl sind insgesamt 14 Parteien und Wählergruppen zugelassen, die sich um die 51 Sitze im Saarbrücker Landtag bewerben. Momentan sitzen im Landtag mit CDU, SPD, Linkspartei, Piraten und Grünen fünf Parteien. Das letzte Mal hatte das Saarland 2012 gewählt: Damals kam die CDU auf 35,2 Prozent der Stimmen und lag damit deutlich vor der SPD mit 30,6 Prozent. Drittstärkste Kraft wurde die Linkspartei mit 16,1 Prozent. Die Piraten zogen mit 7,4 Prozent ein, die Grünen schafften dies mit 5,0 Prozent denkbar knapp.