Bei der Suche nach Alternativen zum türkischen Incirlik hat die Bundesregierung acht mögliche Standorte ausgemacht. Das berichtet die Welt unter Berufung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag. Demnach habe die Prüfung alternativer Standorte zum türkischen Luftwaffenstützpunkt Incirlik ergeben, dass "aus militärischer Sicht grundsätzlich in Jordanien, in Kuwait und auf Zypern geeignete Standorte vorhanden sind".

In der Antwort auf die Anfrage nennt die Bundesregierung Standorte, die "im Rahmen einer militärischen Erkundung zur Untersuchung ihrer grundsätzlichen Eignung besucht" worden seien. Über die Untersuchung auf eine militärische Eignung hinaus seien jedoch "keine Gespräche hinsichtlich einer möglichen Stationierung" geführt worden, heißt es in dem Schreiben.

"Die Bundesregierung hat offenbar gar kein Interesse an der Verlegung der Bundeswehr aus Incirlik, wenn sie noch nicht einmal Gespräche mit möglichen anderen Stationierungsländern geführt hat", sagte der außenpolitische Sprecher der Linksfraktion, Jan van Aken, der die Anfrage initiiert hatte.

Angesichts der jüngsten Spannungen zwischen Berlin und Ankara, vor allem wegen verhinderter Wahlkampfauftritte türkischer Politiker in Deutschland, hatten zuletzt Politiker erneut einen Abzug der Bundeswehr vom türkischen Stützpunkt Incirlik gefordert. Bereits im vergangenen Jahr hatte die türkische Regierung deutschen Abgeordneten den Zugang zum Stützpunkt verweigert. Grund war eine Resolution des Bundestags, in der die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich als Völkermord eingestuft worden waren. Daraufhin drohte Berlin mit dem Abzug der dort stationierten Tornados.

Der Streit wurde erst nach mehreren Monaten beigelegt. Eine Delegation des Verteidigungsausschusses durfte die Bundeswehrsoldaten auf dem Stützpunkt im vergangenen Oktober besuchen. Seither hat allerdings kein Abgeordneter den Stützpunkt mehr betreten dürfen. Die Anfragen von sechs Bundestagsabgeordneten, darunter vier Unionspolitiker, würden noch vom türkischen Außenministerium geprüft.

Auf den Luftwaffenstützpunkten Konya und Incirlik in der Türkei sind etwa 270 Bundeswehrsoldaten am internationalen Antiterroreinsatz gegen den sogenannten "Islamischen Staat" (IS) beteiligt.