Hakenkreuzverkäufer im Saarland, Nationalisten in Sachsen, Björn Höcke in Thüringen: Um rechtsnationalistische Strömungen aus der AfD auszugrenzen und die Partei "koalitionsfähig" zu machen, will die Parteivorsitzende Frauke Petry einem Bericht zufolge das Grundsatzprogramm der Partei ergänzen lassen. Eine neue Passage soll festlegen, dass in der AfD für "rassistische, antisemitische, völkische und nationalistische Ideologien kein Platz" sei, schreibt die Freie Presse in Chemnitz. Einen entsprechenden Antrag hätten Petry und zwei weitere sächsische AfD-Politiker für den Bundesparteitag in zwei Wochen gestellt. 

Das Grundsatzprogramm soll demnach auch um diesen Satz ergänzt werden: "Das Bekenntnis zur deutschen Leitkultur ist verbunden mit der Erkenntnis, dass im Hinblick auf die Kulturleistungen anderer Völker kein Anlass besteht, den nationalen Gedanken zu überhöhen."

Am Freitag hatte Petry bereits ein Strategiepapier vorgelegt, in dem sie zwei Wege für die AfD aufzeigt: eine von ihr favorisierte "realpolitische Strategie" mit dem Ziel, die AfD bei den Bundestagswahlen koalitionsfähig zu machen, sowie eine "fundamentaloppositionelle Strategie", die Raum lässt für "abseitige Meinungen und Standpunkte" auch "außerhalb des bürgerlichen Korridors". Der Vizevorsitzende Jörg Meuthen zweifelte daraufhin Petrys Führungsqualitäten an. Die Einteilung in Realpolitiker und Fundamentalisten sei "konstruiert und keineswegs stimmig", sagte Meuthen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Trotz ihres Streits wollen beide Bundesvorsitzenden am Samstag gemeinsam den Wahlkampf der NRW-AfD in Essen eröffnen, wo Petrys Ehemann Marcus Pretzell als Spitzenkandidat antritt. Nach Angaben eines Sprechers der Landespartei kommen Petry und Meuthen "auf jeden Fall".

Gauland nicht Teil eines "Spitzenteams"

Parteivize Alexander Gauland erklärte unterdessen, er werde auf eine Spitzenkandidatur bei der Bundestagswahl verzichten. Mitglieder des Bundesvorstands hatten ihn zuletzt mehrfach für ein "Spitzenteam" zusammen mit Frauke Petry ins Spiel gebracht. Gespräche mit Petry über eine gemeinsame Kandidatur seien "nicht erfolgreich gewesen", sagte Gauland dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. "Ich habe keinen großen Bedarf für eine Spitzenkandidatur." Gauland zählt wie Meuthen innerhalb der Partei zu den Petry-Gegnern.

Beim AfD-Bundesparteitag am 22. April in Köln sollen die Delegierten über das Wahlprogramm und die Spitzenkandidatur entscheiden. Es hat immer wieder Berichte gegeben, wonach Petry eine alleinige Kandidatur anstrebt. In einem Tagesspiegel-Interview räumte Petry jedoch zuletzt auch ein, sich angesichts des mangelnden Rückhalts in ihrer Partei einen Rücktritt aus der Politik offenzuhalten.