Die Zahl freier Lehrstellen in Deutschland ist gestiegen. Die Chancen auf eine Lehrstelle seien so gut wie nie, schreibt die Bundesregierung im Berufsbildungsbericht 2017, den das Kabinett verabschiedete. Auf 100 Schulabgänger, die einen Ausbildungsplatz suchten, kamen im vergangenen Jahr 104,2 Angebote. 520.300 Ausbildungsverträge wurden im Jahr 2016 geschlossen, das sind etwa gleich viele wie im Vorjahr. 

Allerdings blieben viele Stellen offen, da viele Bewerber nicht den Ansprüchen der Betriebe genügten. Die Zahl freier Ausbildungsplätze stieg zum Stichtag am 30. September um 4,5 Prozent auf rund 43.500. Zugleich konnten 20.600 Jugendliche keinen passenden Ausbildungsplatz finden. Im Vorjahr waren es 1,1 Prozent mehr.

Einen deutlichen Anstieg verzeichnet das Bundesbildungsministerium im sogenannten Übergangsbereich. Damit sind einjährige Bildungsangebote gemeint, die die Ausbildungsreife fördern und den Übergang in eine Lehre erleichtern sollen. Fast 300.000 junge Menschen begannen 2016 ein solches Programm, das sind 12,2 Prozent mehr als im Vorjahr.

Mehr Abiturienten im dualen System

Nur knapp jeder zweite Hauptschüler schaffe den Sprung direkt von der Schule in die Ausbildung, sagte die stellvertretende Chefin des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Elke Hannack. "In der bundesweiten Lehrstellenbörse der Industrie- und Handelskammern bleiben fast zwei von drei Angeboten Hauptschülern von vornherein verschlossen." Dafür werde die duale Ausbildung für Abiturienten attraktiver. Die Quote der Auszubildenden mit Studienberechtigung stieg seit 2009 von gut 20 auf zuletzt knapp 28 Prozent, schreibt der DGB zum Berufsbildungsbericht. Es gebe erstmals mehr Studienberechtigte als junge Menschen mit Hauptschulabschluss (26,7 Prozent) im dualen System.

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Susanne Eisenmann, sagte, sie wundere sich, dass es für die Wirtschaft so schwer sei, Hauptschüler in die Ausbildung zu integrieren. "Obwohl diese doch im klassischen Sinne für den Arbeitsmarkt ausgebildet sind". Sie beobachte häufig eine Tendenz bei Arbeitgebern, lieber den Realschüler zu nehmen, der zweimal sitzengeblieben ist, als den Hauptschüler, der seine Schulkarriere gut und effizient geschafft hat.

Dies könne auf Dauer nicht funktionieren. In den Übergangssystemen seien überproportional viele Hauptschüler. Bis Ende des Jahres will die KMK ein Konzept erstellen, wie die duale Ausbildung in Betrieben und Berufsschulen gestärkt und weiterentwickelt werden kann. 

Nach Angaben des DGB haben 1,22 Millionen Menschen zwischen 20 und 29 in Deutschland keine abgeschlossene Ausbildung und befinden sich auch nicht in der Schule oder im Studium. Das sind fast 13 Prozent dieser Altersgruppe. "Unter dem Strich bleiben pro Jahrgang mehr als 120.000 Jugendliche ohne Ausbildung", sagt Elke Hannack.

Für die sogenannte Ausbildungsbetriebsquote und Vertragsauflösungen weist der Berufsbildungsbericht Zahlen von 2015 aus. Demnach bildet in Deutschland nur noch jeder fünfte Betrieb (20 Prozent) einen oder mehrere Lehrlinge im dualen System aus (2014 waren es 20,3 Prozent). 24,9 Prozent der Lehrverträge wurden vorzeitig aufgelöst (2014 waren es 24,6 Prozent). Allerdings gingen mehr als die Hälfte dieser Vertragslösungen mit einem Wechsel des Ausbildungsbetriebs oder -berufs einher. "Diese Auszubildenden verbleiben also weiter im Qualifizierungsprozess als berufliche Fachkräfte", heißt es in dem Bericht.