Der Weg für eine neue Alterspräsidenten-Regelung im Bundestag ist frei – womit eine mögliche Eröffnungsrede eines AfD-Politikers nach der Wahl verhindert werden kann. Der Geschäftsordnungsausschuss des Parlaments stimmte mit der Mehrheit von Union und SPD für einen Vorschlag von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), wie man dies umgehen könnte. Der Regelung muss nun noch das gesamte Plenum zustimmen.

Lammerts Vorschlag sieht vor, dass künftig nicht mehr der älteste Abgeordnete, sondern der Politiker mit der längsten Dienstzeit die erste Sitzung des neuen Bundestages eröffnen soll. Dies würde dann auf Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zutreffen, der dem Parlament seit 1972 angehört.

Ohne die Änderung der Geschäftsordnung wäre voraussichtlich der AfD-Politiker Wilhelm von Gottberg Alterspräsident geworden. Der frühere Vizepräsident des Bundes der Vertriebenen kandidiert auf Platz vier der Landesliste Niedersachsen für den Bundestag. Wegen seiner Äußerungen zum Holocaust ist der 77-Jährige umstritten. Unter anderem sagte er, der Holocaust sei ein "wirksames Instrument zur Kriminalisierung der Deutschen und ihrer Geschichte".

AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland sprach von einem "rein politischen Manöver" der Koalition. Der 76-Jährige sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Das ist ganz eindeutig der Versuch, mit Tricksereien einen von uns zu verhindern." Zuvor hatte er über die vermeintlichen "Altparteien" gelästert: "Was müssen sie für eine Angst vor der AfD haben, wenn sie jetzt schon zu solchen Tricksereien greifen wollen, nur um zu verhindern, dass wir den Alterspräsidenten im nächsten Deutschen Bundestag stellen könnten."

Der Alterspräsident leitet die erste Sitzung im Bundestag nach einer Wahl, bis ein neuer Bundestagspräsident gewählt ist. Amtsinhaber Heinz Riesenhuber von der CDU tritt nicht mehr an.