Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) soll das Wahlprogramm der Union koordinieren und schreiben. Dazu erhalte der enge Vertraute von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ein Büro im Konrad-Adenauer-Haus, der Parteizentrale der CDU, teilte Generalsekretär Peter Tauber nach einer Sitzung des CDU-Bundesvorstands mit.

Er selbst habe die Rollenverteilung mit Altmaier vorgeschlagen, sagte Tauber. Die Nachrichtenagenturen Reuters und AFP berichteten, dass der Schritt parteiintern als Entmachtung Taubers gewertet werde. Tauber werde keine inhaltliche Arbeit mehr am Wahlprogramm vornehmen, sondern sich stattdessen um den "Haustürwahlkampf" kümmern.

Der Generalsekretär widersprach der Darstellung, dass er seine Macht verloren habe. Altmaier werde "neben mir federführend" das Wahlprogramm mitschreiben, sagte Tauber. Er trage weiterhin die Gesamtverantwortung für den Wahlkampf und die Abstimmung mit der CSU.

Die Bild hatte zuvor berichtet, dass Merkel die Entscheidung mit Tauber und Altmaier abgesprochen habe. Den Posten als Kanzleramtsminister solle Altmaier demnach weiter ausfüllen. Das von ihm verfasste Wahlprogramm der Union wollen CDU und CSU im Juli beschließen. Parallel dazu will die CSU einen eigenen "Bayernplan" vorlegen, in dem Forderungen stehen, die die CDU nicht mittragen will.

Peter Tauber war in den vergangenen Monaten wegen mehrerer Vorfälle in den Medien gewesen: Im November war ihm Sexismus und Mobbing vorgeworfen worden. Zudem soll er Merkel-Kritiker beschimpft haben. Im Januar dieses Jahres empörte er die FDP, weil er Christian Lindner, Chef der Liberalen, mit AfD-Vize Alexander Gauland verglichen hatte. 

Schulz setzt Union unter Druck

Vor etwa drei Wochen holte Merkel Joachim Koschnicke, seit 2013 Cheflobbyist bei Opel, als weiteren Wahlkampfmanager ins Konrad-Adenauer-Haus. Er war bereits vor einigen Jahren in der CDU-Parteizentrale tätig gewesen, ehe er Geschäftsführer beim Meinungsforschungsinstitut Forsa wurde. Dass er zusätzlich zu Tauber für den Wahlkampf verantwortlich sein sollte, hatten Experten als mangelndes Vertrauen Merkels gegenüber dem Generalsekretär interpretiert.

Die SPD setzt die Union seit einiger Zeit mit hohen Umfragewerten unter Druck. Martin Schulz wurde beim SPD-Parteitag im März mit 100 Prozent Zustimmung zum sozialdemokratischen Kanzlerkandidaten gekürt. Innerhalb der CDU wurde diskutiert, wie aggressiv man sich mit dem Koalitionspartner auseinandersetzen solle. Merkel sagte, dass die heiße Phase des Bundestagswahlkampfs erst im August beginnen solle.