Die Bundeswehr hat viele Panzer, Flugzeuge, Hubschrauber und Schiffe. Doch nur ein kleiner Teil davon ist einsatzfähig. Mehr als ein Dutzend Auslandseinsätze verschleißen das Material, den Werkstätten fehlen das Personal oder auch die Ersatzteile, weil – wie beim Eurofighter – zwar neue Waffen gekauft, aber nie genug Nachschubteile dafür bestellt wurden. 30 bis 70 Prozent der Waffensysteme der Bundeswehr stehen daher kaputt herum. 

Ob das Transportflugzeug A400M oder der Schützenpanzer Puma – immer wieder sorgen defekte Waffen der Bundeswehr für Schlagzeilen. ZEIT ONLINE hatte 2014 schon einmal gezeigt, wie hoch die Ausfälle beim Material insgesamt sind. Damals hatte das Verteidigungsministerium dem Bundestag versprochen, künftig regelmäßig über den "Klarstand" zu informieren, also über die Waffen, die wirklich eingesetzt und für die Ausbildung genutzt werden können. Einmal im Jahr meldet nun der Generalinspekteur der Bundeswehr die "materielle Einsatzbereitschaft der Hauptwaffensysteme". ZEIT ONLINE liegt die aktuelle Version der Liste vor. Hier eine Übersicht über die wichtigsten Waffensysteme und ihren Zustand:

Die aktuelle Meldung für 2016 zeigt, dass die Lage ein klein wenig besser geworden ist. Vom gepanzerten Truppentransporter Boxer sind zum Beispiel inzwischen sehr viel mehr Fahrzeuge einsatzfähig und auch die Marinehubschrauber fliegen wieder.

3,2 Milliarden für Reparaturen pro Jahr

Der Bericht des Generalinspekteurs zeigt aber auch, dass das grundsätzliche Problem noch immer nicht behoben ist. Obwohl die Bundeswehr 2017 nun 3,2 Milliarden Euro für die Instandsetzung einplant, stehen viele Waffen weiterhin herum, weil sie schneller kaputt gehen als ursprünglich geplant wurde und weil die Reparatur zu lange dauert. Denn um Geld zu sparen, werden neue Panzer oder Flugzeuge vom Verteidigungsministerium gern ohne ausreichende Instandsetzungseinrichtungen bestellt.

Oder die Waffen sind bereits so alt, dass es für sie gar keine Ersatzteile mehr gibt. Der Hubschrauber Sea King beispielsweise kann nur noch durch "unkonventionelle Ersatzteilgewinnung" repariert werden, wie es im Bericht des Generalinspekteurs heißt. Was bedeutet, dass die Bundeswehr ihre Flotte nur noch am Leben erhalten kann, indem sie in anderen Ländern ausgemusterte Hubschrauber dieses Typs kauft und ausschlachtet.

Die Bundeswehr versucht einiges, um diesen Zustand zu verändern. Das zeige langsam Wirkung, heißt es in dem Bericht. Dort steht aber auch: "Sprunghafte Verbesserungen der materiellen Einsatzbereitschaft sind allerdings nicht zu erwarten."

Nachtrag zum besseren Verständnis der Zahlen: Die Bundeswehr gibt für jedes Waffensystem drei Werte an, den Gesamtbestand der existierenden Waffensysteme, den Verfügungsbestand und die Zahl der einsatzbereiten Systeme. Wir haben nur die letzten beiden Kategorien dargestellt und aus den monatlichen Angaben einen Durchschnittswert für das gesamte Jahr gebildet. So taucht beispielsweise das U-Boot, das Ende 2016 neu in Dienst gestellt wurde, darin noch nicht auf. Die Marine listet es zwar im Gesamtbestand, aber es steht ihr noch nicht für Einsätze zur Verfügung. Der Gesamtbestand ist bei jedem System noch viel höher, aber die Fahrzeuge sind beispielsweise zur Erprobung beim Hersteller oder lagern in einem Depot. Daher haben wir diese Zahl nicht gezeigt.

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